Dahlem bleibt das „deutsche Oxford“

Bildung: Die FU Berlin schneidet bei weltweitem Uni-Ranking gut ab.

Als „deutsches Oxford“ galt Dahlem schon vor hundert Jahren – nun macht der Ort seinem Ruf als Wissenschaftsstandort wieder alle Ehre: Beim „World University Ranking“ der Firma Quacquarelli Symonds (QS), das als eines der einflussreichsten der Welt gilt, belegte die hier ansässige Freie Universität (FU) Spitzenplätze: In 13 Fächern war sie im bundesweiten Vergleich auf einem der ersten beide Plätze gelistet. Und auch in der Gesamtwertung schaffte es die Hochschule mit einem Weltranglisten-Platz von 119 unter die besten Fünf in Deutschland.

Internationale Ausrichtung

Geisteswissenschaften sind besonders beliebt.

Geisteswissenschaften sind besonders beliebt.

„Wir freuen uns natürlich über das sehr gute Abschneiden, weil es auch eine Anerkennung unserer Arbeit bedeutet“, meint Jürgen Gerhards. Der Professor ist Geschäftsführender Direktor am Institut für Soziologie, eines jener Fächer, bei dem die FU im QS-Ranking glänzt. Gerade Gerhards sieht aber auch die Notwendigkeit, derartige Ranglisten kritisch zu betrachten und erklärt: „Alle Rankings haben auch etwas Willkürliches, weil die Maßzahlen, nach denen Qualität beurteilt wird, nicht immer überzeugend sind.“ Das gute Abschneiden des Instituts ist dennoch erklärbar. Schon weil Soziologie in Dahlem auch auf Englisch angeboten wird, ist die internationale Ausrichtung kaum zu verkennen. Zudem profitiere man von der engen Vernetzung mit anderen Forschungseinrichtungen in Berlin und „von dem sehr guten Ruf, den die FU vor allem in den Sozialwissenschaften insgesamt international genießt“, glaubt Gerhards. Tatsächlich sind auffallend viele Sozial- und Geisteswissenschaften unter den Top-Fächern. „Eine vergleichbare Vielfalt an archäologischen Disziplinen findet sich nur an wenigen deutschen Universitäten“, meint etwa Johanna Fabricius, Professorin für das ebenfalls auf einem Spitzenplatz vertretene Fach der Archäologie. Mit ihrem Fokus auf die griechisch-römische Antike vertritt Fabricius dabei nur eine von zahlreichen Kulturen, die in Dahlem archäologisch untersucht werden.

Investitionen lohnen sich

Mit bundesweit auf Rang zwei verorteten Fächern wie Veterinärmedizin und Pharmazie sind hier allerdings gut aufgestellte naturwissenschaftliche Disziplinen vertreten. „Die FU ist eine der wenigen Universitäten, die Pharmazie und Pharmakologie in voller Breite durch eigene Professoren anbietet“, sagt etwa Matthias F. Melzig, Leiter des entsprechenden Instituts. In den letzten Jahren ist viel in die Infrastruktur für Forschung und Lehre investiert worden, so dass man international mithalten könne. „Der Bereich erbringt mit wesentlich geringeren finanziellen Mitteln als Harvard, Cambridge und ETH Zürich hervorragende Ergebnisse“, meint Melzig. Der Soziologe Jürgen Gerhards ist da zurückhaltender. Für eine ernsthafte Konkurrenz mit den Elite-Universitäten in Großbritannien und den USA sei die Finanzausstattung zu schwach. „Wir fahren einen Smart und befinden uns in einem Rennen mit Porsches und Ferraris“, meint er und fordert, einige wenige Universitäten besonders gut auszustatten, um die Chancen im internationalen Wettbewerb zu verbessern.

Philip Aubreville / Bild: Peter Himsel / Bild: Bernd Wannenmacher

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