Keine Fähre für Touristen

Verkehr: Die Spandauer CDU will den Fahrplan zwischen Kladow und Wannsee ausbauen –  doch die Senatsverwaltung hält davon wenig.

Es waren dramatische Szenen, die sich Himmelfahrt abspielten: Obwohl bis zu 300 Menschen und 60 Fahrräder auf der Fähre „MS Wannsee“ der Linie F10 zwischen Kladow und Wannsee Platz finden, war das Boot sprichwörtlich voll. So voll, dass zahlreiche Passagiere zum Betriebsschluss nicht mehr an Bord durften. Der letzte Dampfer fuhr um 19.31 Uhr ohne sie ab. Statt einer 20-minütigen Bootsfahrt blieb selbst Familien mit Kindern nur noch eine Busfahrt in die City oder der einstündige Rückweg nach Wannsee mit öffentlichen Nahverkehrsalternativen.

Kein Ausflugsschiff

CR_LVS_Titelgeschichte_SP_21Diese Szenen scheinen all jenen Recht zu geben, die Ausflügler und Touristen am liebsten ganz von der Beförderung verbannen wollen. Die nämlich würden, so heißt es, den normalen Fahrgästen die Plätze wegnehmen. „Wir sind eine Fähre und kein Ausflugsdampfer“, betonte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum auf der neuen „MS Wannsee“ keine Außenplätze mehr angeboten werden. Die Folge: Jetzt hagelt es angesichts stickiger Luft und stinkender Fußbodenbeläge Beschwerden, denn offenbar versorgen die aufklappbaren Dachfenster und Lüfter den großen Passagierbereich der Fähre nicht mit genügend Frischluft. Zurück zur überfüllten Fähre: Die Spandauer CDU will, dass sich das Bezirksamt für einen Ausbau des Fährverkehrs zwischen Kladow und Wannsee an Wochenenden und an Feiertagen einsetzt. Von Mai bis August solle der Fahrplan dann bis 20.30 Uhr erweitert werden. „Es kann nicht sein, dass Ausflügler wegen Überfüllung nicht mehr mit der letzten Fähre mitgenommen werden“, heißt es zur Begründung des Antrags. Die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt hält nichts von den Forderungen aus Spandau. „Es ist nicht möglich, sich bei der Kapazitätsbemessung der Schiffe und des Angebotes allein an der potenziellen Nachfrage dieser wenigen Tage im Jahr zu orientieren“, erläutert Senatssprecherin Dörthe Hellmuth.

Philip Aubreville/Ulf Teichert / Bilder: Archiv/Josephine Klingner / imago/Klaus Martin Höfer

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