Tempelhof bekommt „Asylothek“

Kultur: Die im ehemaligen Flughafen untergebrachten Flüchtlinge können ab sofort Bücher und andere Medien nutzen.

Gut 2.000 Menschen leben derzeit in den zur Flüchtlingsunterkunft umgewidmeten Hangars am ehemaligen Flughafen Tempelhof – und fristen oft ein tristes Dasein mit schlechtem Essen, wenig Platz und gereizter Stimmung. Ein neues Projekt soll nun einen Lichtblick in die Notunterkunft bringen: Ende April eröffnete hier eine „Asylothek“ – und versorgt die Flüchtlinge mit Lesestoff.

Gegen Langeweile

„Während die Flüchtlinge auf Anerkennung warten, haben Sie häufig viel Zeit und Langeweile und bleiben in der Regel unter sich. Hier setzt die Bibliothek an“, erklärt Suzanne Visentini vom Team der „Asylothek“. Bereits 2012 eröffnete die erste „Asylbewerberheimbibliothek“, so die sperrige Langfassung des Begriffs, in Nürnberg; vergangenes Jahr entstand ein solcher „Ort des Lernens und des kulturellen Austauschs für geflüchtete Menschen und Berliner Bürger“ auch in Pankow. Während dort in einer Gemeinschaftsunterkunft vor allem auch mit Sachspenden gearbeitet wurde, musste für die neue „Asylothek“ in Tempelhof ein bauliches Konzept entwickelt werden. „Die Denkmalschutzbestimmungen erlauben keine Eingriffe an Wänden, also auch keine farbliche Gestaltung. Für die Umsetzung dieses Vorhabens sammelte das Projekt Geld, so dass wir in Kooperation mit Geflüchteten ein variables Regalsystem herstellen konnten, mit dem sich der Raum optimal bespielen lässt“, heißt es in einer Mitteilung des „Asylothek“-Teams.

Mobile Bücherregale

Sechs Bücherkuben auf Rädern beherbergen nun die verfügbaren Bücher und Medien – und lassen sich bei Bedarf zusammenschieben. Die entstehende Fläche kann für Ausstellungen genutzt werden; zwei fest installierte Kuben fungieren als Schwarzes Brett, Stauraum und PC Terminal für Online-Angebote und elektronische Medien. Im Zentrum stehen dabei aber die Bücher. Neben Einzelpersonen und dem „Berliner Büchertisch“ stellten dabei auch Berliner Antiquariate und so renommierte Verlagshäuser wie Suhrkamp Lesestoff zur Verfügung. Dennoch gebe es nach wie vor einen hohen Bücherbedarf, heißt es von Seiten des „Asylothek“-Teams: „Besonders dringend werden mehrsprachige Wörterbücher für Sprachen wie Arabisch, Farsi, Urdu oder Serbisch benötigt, dazu Materialien, die das Deutschlernen in Form von Comics oder Mangas unterstützen.“

Helfer gesucht

Damit der Betrieb, der derzeit montags bis samstags etwa drei bis fünf Stunden läuft, aufrecht erhalten werden kann, werden ehrenamtliche Helfer gesucht. Im bezüglich Alter und Nationalitäten sehr gemischten Team kann dabei jeder mitmachen – auch ohne bibliothekarische Vorkenntnisse. Ohnehin geht es in der „Asylothek“ nicht nur um die bestmögliche Lektüre. „Unsere Vision ist es, in einigen Monaten die Bibliothek zusammen mit den Bewohnern zu betreiben und einen lebendigen Begegnungsort zu schaffen“, sagt Visentini. Dort sollen Workshops stattfinden, gemeinsam gespielt oder Musik gemacht werden.

Philip Aubreville / Bild: Asylothek Berlin

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