Kollwitz-Köche kochen vor Wut

Keine Gnade für Terrassenpflanzen kennt das Ordnungsamt – und bringt damit Gastwirte im Kollwitz-Kiez gegen sich auf.

Da ist was im Busch – und zwar ein Sicherheitsrisiko, glaubt man dem Ordnungsamt in Pankow. Weil die Außenbepflanzung zahlreicher Gaststätten die Sicht versperren und bei Unwetter umfallen könnten, sollen die Pflanzen auf maximal einen Meter gestutzt werden. Auch für die Kübel gibt es mit einem Innendurchmesser von mehr als 60 Zentimetern oder 50 Zentimetern Kantenlänge beim Amt keinen Blumentopf zu gewinnen. Stattdessend drohen saftige Bußgelder bis 10.000 Euro.

Kurzer Urlaub

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Maximal ein Meter inklusive Kübel, mehr erlaubt das Pankower Ordnungsamt nicht mehr

Ein warmer Nachmittag am Kollwitzplatz: Die Cafés und Lokale sind gut besucht, angeregte Gespräche und amüsiertes Gelächter sind zu hören. „Manche meiner Gäste sagen, hier könne man etwas Urlaub vom stressigen Großstadtalltag nehmen“, berichtet Björn Nitz (Titelfoto: links) vom Restaurant „Zum dritten Mann“. Ein Grund: Die Bepflanzung, die hier aus Blumentöpfen, Kübeln oder Eichenfässern rund um den Platz sprießt.

Was für viele Anwohner und Gäste eine grüne Idylle ist, bereitet dem Ordnungsamt starke Bedenken. „Neben den eingeschränkten Sichtbeziehungen spielen auch Fragen der Standsicherheit, Verkehrssicherheit, Brandschutz oder Zustand des Straßenlandes eine Rolle. Da es sich um öffentliches Straßenland handelt, muss auch jederzeit eine Zugänglichkeit, etwa zu den unter dem Pflaster verlaufenden Versorgungsleitungen, gegeben sein“, erläutert Stadtrat Torsten Kühne (CDU). Die Tätigkeit des Amtes richte sich dabei in hohem Maße nach der aktuellen Beschwerdelage.

Wirte sprachlos

Für die Gastwirte ist dies kaum nachvollziehbar. „Ich war sprachlos, als ich die Begründung gehört habe. Wie meine Pflanzen die Sicht von Verkehrsteilnehmern behindern, ist mir rätselhaft“, meint Björn Nitz. Axel Rautenbach (Titelfoto: rechts) vom benachbarten Café „Anna Blume“ hält Windstöße für viel gefährlicher, wenn die Kübel mit ihrer Größe auch an Gewicht verlieren.

Doch die Gastwirte haben noch ganz andere Sorgen: „Die Terrasse und das angenehme Ambiente sind unsere wirtschaftliche Grundlage“, sagt Nitz und erläutert, dass man für die mageren Wintermonate vorsorgen müsse. Brummt der Laden im Sommer nicht, haben die Gastronomen ein Problem.

Noch Hoffnung

Durch politischen Druck hoffen die Lokale im Kiez nun, sich und ihren Pflanzen doch noch eine einschneidende Erfahrung zu ersparen. „Ich unterstütze die Gewerbetreibenden gegen den wiehernden Amtsschimmel“, verspricht etwa der Abgeordnete Stefan Gelbhaar (Grüne) – und ein Zusammenschluss von bisher 16 Gaststätten hat eine Unterschriftenaktion gestartet. Wenn gar nichts hilft, behalten sich die Gastwirte eine Klage vor: Der Rechtsweg ist also nicht ausgeschlossen.

Amtlich

In mehreren Bezirken gibt es derzeit Konflikte zwischen den Ordnungsämtern und ortsansässigen Gastronomen. Dies gilt dabei nicht nur im Hinblick auf die anstehende Fußball-EM, für deren Übertragung Gastwirte eine Genehmigung brauchen.

Während sich etwa in Friedrichshain-Kreuzberg eine Debatte um die Außenbestuhlung entfacht hat, müssen Gastwirte in Pankow bestimmte Vorgaben im Hinblick auf ihre Außenbepflanzung einhalten: Maximal einen Meter dürfen Pflanzen und die dazu gehörigen Kübel maximal hoch sein. Während die Ordnungsämter die Sicherheit der Anwohner gewährleisten und deren Rechte durchsetzen wollen, fürchten viele Wirte den Verlust ihres sommerlichen Ambientes – und damit auch um Kunden, Umsätze und gelegentlich sogar ihre Existenz.

Text & Bilder: Philip Aubreville 

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