Vom Nazi-Bau zum Freiheitssymbol

Architektur: Der „Platz des 4. Juli“ bekam erst vor 40 Jahren seinen heutigen Namen.

Illegale Autorennen, übende Fahrschulen und genervte Anwohner bestimmten in den letzen Jahren die Berichte um den „Platz des 4. Juli“. Dabei hat die 400 Meter lange und 70 Meter breite Verbindung zwischen Goerzallee und Osteweg eine bewegte Geschichte mit Namensänderung hinter sich: Vor 40 Jahren hieß sie noch Vierter Ring.

Zwei Verkehrsachsen

In den größenwahnsinnigen Plänen des Nazi-Architekten Albert Speer für die „Welthauptstadt Germania“ spielte das Straßenstück eine wichtige Rolle. Speer plante zwei Verkehrsachsen, die von Norden nach Süden und von Osten nach Westen durch die Hauptstadt führen sollten. „In fernerer Zukunft, so erwogen wir, sollte dieses Achsenkreuz durch fünf Ringe und siebzehn Ausfallstraßen ergänzt werden, für die je sechzig Meter Breite vorgesehen waren“, schrieb Speer 1969. Von den fünf Ringen um Berlin wurde aber nur einer baulich in Angriff genommen: Als in Lichterfelde ein Werk der Firma „Telefunken“ entstand, wurde ein erster Kreuzungspunkt einer Ausfallstraße mit dem vierten Ring gleich mitgebaut, der heutige „Platz des 4. Juli“. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bezog die US-Army hier Stellung und widmete den Industriekomplex der Telefunken-Werke zur Karserne um. Bis zu 23.000 Soldaten waren in den „McNair-Barracks“ stationiert, die mit Waschsalon und Postamt einer eigenen Kleinstadt glichen. „Hier also gingen uns Kindern bei den Paraden die Augen über. Da flatterten die Regimentsfahnen, da flitzten Karabiner durch die Luft, wurden von weißbehandschuhten Händen geschickt aufgefangen und herumgewirbelt, da knallten die schwarzlackierten Schnürstiefel auf den Asphalt“, erinnert sich Rainer Longk in einem Aufsatz über die „Amis in Lichterfelde“. Die Amis waren es auch, die am 4. Juli 1976 zum 200. Mal ihren Unabhängigkeitstag feierten. Im selben Jahr wurde der „Vierte Ring“ umbenannt und trägt seitdem das Datum des US-Nationalfeiertags. Daran änderte sich auch nichts, als die US-Streitkräfte nach der deutschen Wiedervereinigung abzogen und das Gelände 1994 in Berliner Besitz überging. Heute befinden sich Wohnungen in den einstigen Kasernen und kaum etwas erinnert noch an die ursprünglichen Pläne, die es für die langgezogene Fläche einst gab.

Informationsstele

Dies könnte sich in Kürze ändern. SPD und CDU stellten einen Antrag im Bezirksparlament, anlässlich des diesjährigen Jubiläums „eine Informationsstele zu errichten oder andere geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um vor Ort über die Geschichte des „Platz des 4. Juli“ zu informieren“. Der Kulturausschuss sprach bereits eine Beschlussempfehlung aus. So könnte der geschichtsträchtige Ort endlich entsprechend gewürdigt werden.

Philip Aubreville

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