Erinnerung an eine Kämpferin

Kultur: Ein Platz für Kitty Kuse.

Günther Pfitzmann drehte hier seinen TV-Hit Praxis Bülowbogen, Pop-Legende David Bowie lebte in der Hauptstraße: Viele berühmte Persönlichkeiten sind eng mit dem Bezirk verbunden. Immer wieder gibt es Debatten, welche Straßen oder Plätze nach ihnen benannt werden könnten. Jetzt hat die SPD eine weniger bekannte, aber historisch bedeutsame Schönebergerin als Namenspatronin ins Spiel gebracht: Die lesbische Aktivistin Käthe „Kitty“ Kuse soll einem neuen Platz an der Naumannstraße den Namen geben.

Kuse, Anfang des 20. Jahrhunderts in der Gotenstraße auf der „Roten Insel“ aufgewachsen, hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg dem Kampf für die Rechte lesbischer Frauen verschrieben. Deren Emanzipation erlebte in den 1970er Jahren einen Aufschwung. „Aus Protest gegen die Diskriminierung von Lesben und Schwulen entstand damals das LAZ, das Lesbische Aktionszentrum Westberlin“, erklärt die Musikwissenschaftlerin Eva Rieger, die mehrere Texte zu Kuses Biographie verfasst hat. Die Dominanz jüngerer Aktivistinnen im LAZ veranlasste Kuse 1974 zur Gründung der Gruppe „L74“, in der sich ältere Lesben organisierten. Kuse selbst war zu diesem Zeitpunkt bereits 70 Jahre alt und kam aus einem völlig anderen Erfahrungshorizont als ihre jüngeren Mitstreiterinnen. Am glamourösen Nachtleben der „Goldenen Zwanziger“, das gerade in Berlin gewisse Freiheiten auch für Homosexuelle bot, hatte Kuse nie teilgenommen. Als sie im Teenager-Alter erste Liebesbeziehungen mit anderen Frauen führte, wurde diese sexuelle Orientierung von der Gesellschaft tabuisiert. Mit der Gründung des Magazins „Unsere kleine Zeitschrift“ (UkZ) 1975 wollte Kuse Tabus aufbrechen und lesbische Frauen ermutigen. Seit kurzem steht ein durch private Spenden finanzierter Gedenkstein auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof. Gut möglich, dass Kuse bald von offizieller Seite geehrt wird.

Philip Aubreville / Bild: Ursula Hasecke

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