Als die Züge sprechen lernten

U-Bahn-Technik: Das Herzstück der BVG schlägt jetzt in Lichtenberg.

Auch die Züge auf der noch recht neuen U-Bahnlinie U5 zwischen Hönow und Alexanderplatz bekamen im Jahr 1992 neue Technik in die Kabinen gebaut: Per Sprechverbindung konnte nun aus den Waggons heraus mit dem Zugführer Kontakt aufgenommen werden. Das sollte für mehr Sicherheit in den Waggons sorgen, galt aber schon zu dieser Zeit als technischer Vorbote zur Abschaffung der Zugabfertiger auf den U-Bahnhöfen. Damals gab es das „Zurückbleiben bitte“-Kommando per Lautsprecher noch direkt vor Ort. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Fahrgäste die U-Bahnhöfe allein an der Stimme des Zugabfertigers erkennen konnten. Nur wenige Jahre nach der Einführung dieser Sprechverbindungen wurde schließlich die zentralisierte Zugabfertigung aus der BVG-Leitzentrale eingeführt. Das bedeutete auch das Aus der lokalen Zugabfertiger.

Neuer Standort

Gut 20 Jahre lang war diese Leitzentrale in der ersten und dritten Etage im großen BVG-Gebäude am Kleistpark untergebracht. Seit dem Sommer des vergangenen Jahres steuern in einem hochmodernen Kubus auf dem Lichtenberger BVG-Gelände 21 Mitarbeiter an jeweils sieben Monitoren alle Zugbewegungen, Fahrstuhl- und Rolltreppenfunktionen sowie den gesamten U-Bahn-Fuhrpark. Im Rund-um-die Uhr-Dienst kümmern sich insgesamt 170 Mitarbeiter um die pünktlichen Ankünfte und Abfahrten der Züge, informieren Fahrgäste bei besonderen Betriebssituationen, stellen Weichen und bedienen die Signalanlagen. In einem rund 400 Quadratmeter großen Saal werden Techniker auf Videoleinwänden mit aktuellen Informationen versorgt. Hier gibt es zu jedem BVG-Zug, der sich durch die Tunnel der Stadt seinen Weg bahnt, eine entsprechende Streckengrafik. 4.800 Zugbewegungen steuern die Männer und Frauen von hier aus, um die rund zwei Millionen U-Bahn-Fahrgäste an jedem Tag sicher durch die Hauptstadt zu fahren. Direkten Kontakt zu den Fahrgästen hat das Personal hier per Funk und Kameraübertragung. Jeder Fahrstuhl, jede Rolltreppe, alle Waggons, Busse und natürlich auch die Bahnsteige werden von der Lichtenberger Leitzentrale aus gecheckt. Diese Technik soll nun für die nächsten 15 bis 20 Jahre in Lichtenberg im laufenden Betrieb weiter entwickelt werden. Auch die Umstellung des gesamten Systems auf eine generell führerlose Zugtechnik ist eines Tages vorstellbar. Derzeit werden in der Lichtenberger Leitzentrale noch rund ein Drittel aller Aktionen manuell gesteuert.

Stefan Bartylla, Bild: BAB/Archiv

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