Mittler zwischen Religionen

Buch: Neuköllner Rabbinerstudent wirbt für jüdisch-muslimischen Dialog.

Die große arabische Community in Neukölln hat dem Bezirk den Ruf beschert, für jüdische Menschen ein wenig sicheres Pflaster zu sein. Mit seiner Streitschrift „Ein Jude in Neukölln: mein Weg zum Miteinander der Religionen“ (Aufbau Verlag) stellt sich der Rabbinerstudent Àrmin Langer dieser Auffassung entgegen. Er versucht, einen muslimisch-jüdischen Dialog als Alternative aufzuzeigen.

Neue Allianz

Wie das gehen kann mit dem Dialog, demonstriert Langer seit drei Jahren mit seiner „Salaam-Schalom- Initiative“, in der sich jüdische und muslimische Neuköllner gemeinsam in verschiedenen Aktionen engagieren. „Wir wollen eine Allianz bilden, die die vielfältigen Stimmen in der Gesellschaft reflektiert, bewahrt und zusammenbringt“, erläutert der 26-Jährige. Auf diesen Zusammenhalt ziele auch sein Buch ab. In dem 300 Seiten starken Werk schildert Langer beispielsweise, wie ein muslimischer Freund einen Zeitungsartikel Langers auseinandernimmt, in dem er Muslime als die „neuen Juden“ bezeichnete. Langer wurde die Verharmlosung von Antisemitismus vorgeworfen. Seine Ausbildung zum Rabbiner am Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam musste der gebürtige Ungar auch wegen dieses Textes vorzeitig beenden.

Diffuse Ängste

Unbequeme Haltung: Àrmin Langer   musste seine Ausbildung unterbrechen

Unbequeme Haltung: Àrmin Langer
musste seine Ausbildung unterbrechen

Dass ausgerechnet ein Mitglied der von Langer ausgemachten neuen Opfergruppe ihm ebenfalls die Leviten für die wenig differenzierte Zeitungsüberschrift las und ihn letztlich überzeugte, passt zur Tendenz des Buches: Statt Schwarz-Weiß-Malerei und diffusen Ängsten setzt Langer auf „Entmystifizierung“. „Ich lade alle herzlich nach Neukölln ein, die der Meinung sind, dass es hier gefährlicher für Juden wäre, als in anderen Stadtteilen von Berlin“, sagt Langer, der in Nord-Neukölln in einem Kiez mit vielen israelischen und arabischen Einwanderern lebt, und ergänzt: „Ich kann sie gerne orthodoxen Juden in Neukölln vorstellen, ich kann sie in israelische Cafés mitnehmen. Das heißt nicht, dass es hier keinen Antisemitismus geben würde. Antisemitismus ist aber gewiss kein Neuköllner Phänomen.“ Vielmehr gebe es überall Antisemitismus, der deshalb im gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet und bekämpft werden müsse, sagt Àrmin Langer.

Aktiv beteiligt

In seinem Buch skizziert er deshalb den Auftrag, andere vor Ausgrenzungen zu schützen . Die Möglichkeiten dazu hätten sich verbessert. So sieht sich Langer trotz des „allgegenwärtigen Antisemitismus“ nicht mehr als Mitglied jener „unterdrückten Minderheit“, zu der noch sein gleichnamiger Urgroßvater gezählt habe. „Die Ármins von heute können sich aktiv an den gesellschaftlichen Prozessen beteiligen“, schreibt Langer. Er selbst möchte dies auch als Rabbiner tun. Momentan sondiert er, wie und wo er sein Studium fortsetzen kann.

Philip Aubreville, Bild: Kat Kaufmann

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