Krach um Campus-Projekt

Kritik an Entwurf für Gebäudekomplex / Bauarbeiten beginnen im Frühjahr.

Ein eigener Wohnkomplex für Flüchtlingsfamilien, obdachlose Mütter und Studierende soll in der Ohlauer Straße entstehen. Und zwar auf der Freifläche der früheren Gerhart-Hauptmann-Schule, die seit 2012 teilweise von Flüchtlingen bewohnt werden. Unter Anwohnern und Architekten erntet das Vorhaben Kritik.

Knapper Raum

Die „Arbeitsgruppe Ohlauer Straße“ und die Initiative „Stadtteilarbeit Reichenberger Kiez“ kritisieren, der Baukörper lasse zu wenig Raum für das geplante Internationale Flüchtlingszentrum und die Else-Ury-Bibliothek, die von der Glogauer Straße dorthin verlegt werden soll. In einem alternativen Entwurf ist vorgesehen, zwei Gebäudekomplexe zu errichten und zwischen ihnen eine Freifläche zu belassen. Eine ganzheitliche Strategie für die Bedürfnisse der Nutzergruppen sei in den Planungen nicht zu erkennen. Umstritten ist, ob die Flüchtlingsfamilien ausreichend Platz haben. Zudem werde durch die Überbauung des Schulhofs der gesamte Baumbestand vernichtet. Der bisherige Planungsverlauf sei intransparent und die Einbindung „lokaler Akteure“ nicht gegeben. So gerate „ein gutes Projekt auf Abwegen“. Um es zu realisieren, solle bis zur Festlegung eines „inklusiven und transparenten Verfahrens“ ein Planungsstopp verhängt werden. Der „Campus Ohlauer Straße“ ist Teil eines Sonderprogramms des Senats und wird von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge errichtet. Auf dem 3.900 Quadratmeter großen Gelände sind 140 Wohnungen in einem ein bis zu sechsgeschossigen, an einer Stelle offenen Gebäudekarree geplant. Das dahinter liegende Schulgebäude wird von ihm nahezu verdeckt. Die ebenfalls mit dem Vorhaben betraute Bezirksstadträtin Jana Borkamp (Grüne) hält den alternativen Bebauungsentwurf für obsolet, da er die dortige Turnhalle einschließe. „Die steht gar nicht zur Disposition“, sagt sie. Um die Bewohner zu schützen, sollen, anders als von den Kritikern gefordert, keine Freiflächen zur Straße hin geschaffen werden. Die Fassadengestaltung und Fragen zum Schallschutz würden noch geprüft. Bei der Bauweise müsse aber der Kostenrahmen beachtet werden. Die beiden Workshops zu dem Projekt bewertet sie positiv: „Auch bei Anwohnern, die einzelne bauliche Details kritisieren, gibt es insgesamt eine positive Resonanz. Allerdings hätten wir die Menschen im Kiez schneller ins Boot holen können.“

Hinweise aufgegriffen

Eine Howoge-Sprecherin erklärt, das Projekt sei im Laufe des Verfahrens in vielen Einzelheiten und Schritten verfeinert und auch auf Anregung der Bürger hinsichtlich der Flächen, der Höhe der Bebauung und seiner Ausdehnung reduziert und in der städtebaulichen Ausrichtung zur Nachbarbebauung hin optimiert worden. Weitere Beteiligungsformate seien derzeit nicht geplant. Der für diesen Herbst geplante Baustart wurde auf kommendes Frühjahr verschoben, dieser Tage wurde der Bauantrag eingereicht. Als Bauzeit sind 15 bis 18 Monate vorgesehen.

Nils Michaelis, Bild: Nils Michaelis

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