Bürokratie bremst Wohnungsbau aus

Stadtentwicklung: Bund Deutscher Architekten fordert mehr Personal in Ämtern.

Berlins Architekten schlagen Alarm: Die boomende Stadt braucht dringendst Wohnungen, vor allem Mietwohnungen. Um den prognostizierten Bevölkerungszuwachs von derzeit 3,6 auf vier Millionen Menschen bis ins Jahr 2025 abzufedern, müssten jährlich rund 20.000 Wohnungen entstehen. Doch das Baugeschehen kommt in den Bezirken nur schleppend voran. So sollten in diesem Jahr an 100 Standorten mehr als 8.000 Wohnungen gebaut werden, nicht einmal 1.000 sind bis jetzt im Bau oder bereits fertig.

Fehlendes Personal

In einem offenen Brief an Berlins Regierenden beklagt der Bund Deutscher Architekten (BDA) diese Situation. Einen Hauptgrund sieht er darin, dass überbordende, bürokratische Vorschriften und fehlendes Personal in den zuständigen Fachbehörden die Baugenehmigungen verzögerten und den Wohnungsbau ausbremsten. Darauf sei es zurückzuführen, dass allein etwa 2.500 Wohnungen in nächster Zeit nicht realisiert werden könnten, heißt es. Da seit den 90er-Jahren in Berlin das Personal in den Ämtern gekürzt wurde, fehlen heute die Fachleute. Zwar hat Berlin inzwischen reagiert und in diesem Jahr 50 neue Stellen in den Genehmigungsbehörden geschaffen, doch ein Durchbruch ist dies noch nicht. Zumal die Bezirke nur zögerlich Grundstücke ausweisen und der Boden knapp bleibt.

Flächen erschöpft

Auch in Reinickendorf sind die eigenen Flächen erschöpft, der Bezirk ist weitgehend bebaut. Ziel der weiteren Stadtentwicklung sind überschaubare Quartiere, die mit ihrer soliden Infrastruktur eine sozial ausgewogene Mieterstruktur ermöglichen. Neubauten sollen sich sensibel in Bestehendes einfügen, Kleingärten, Grünflächen und Parks sind tabu. Kriterien, die auch die Genehmigungen begleiten. Das Bezirksamt verweist auf das sehr aktive Bauberatungszentrum: „Hier erfahren Eigentümer und Investoren alles Notwendige schnell und unkompliziert aus einer Hand. Das hat die Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt, 633 waren es im Vorjahr.“ In seiner letzten Pressemitteilung zog der frühere Baustadtrat Martin Lambert (CDU) eine positive Bilanz: „Mit 367 genehmigten Wohnungen bis September 2016 haben unsere Bauberater das Vorjahresergebnis um fast ein Viertel übertroffen. Damit wurden in Reinickendorf seit 2014 bis heute knapp 1.500 Wohnungen genehmigt.“ Nachdem in der Cité Foch das ehemalige Einkaufszentrum fast abgerissen ist, könnten in diesen Wochen noch 333 neue Bauanträge gestellt werden. „Damit liegen wir bis Ende des Jahres bei rund 700 Genehmigungen, zehn Prozent mehr als 2015“, so Lambert.

Jürgen Zweigert

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