Das Auenland ist gerettet

Bauen: Kein „zweites Marzahn“ auf der Elisabeth-Aue – sie bleibt Ackerland.

Das Bauen ist abgesagt, das Auenland gerettet, Rotmilan, Eule, Feldhase und Co. haben hier eine Zukunft: Die Elisabeth-Aue bleibt, was sie ist – Ackerland in Bauernhand. So hat es das neue rot-rot-grüne Bündnis im Roten Rathaus für diese Legislaturperiode beschlossen. Woher dieser plötzliche Sinneswandel kam, ist den Koalitionären nicht zu entlocken. Schließlich hatte der Senat noch im Oktober mächtig aufs Tempo gedrückt und bereits heftig in ein Entwicklungskonzept für das 70 Hektar große Areal mit den geplanten 5.000 Wohnungen investiert. Howoge und Gesobau standen mit einer Projektgesellschaft in den Startlöchern. War‘s dann doch ein Tausch „Nachtflugverbot“ gegen „Elisabeth-Aue“? Linke und Grüne wollten deutlich kürzere Nachtflugzeiten, die SPD nicht. Also: Billigst du meine längeren Flugzeiten, gebe ich dir die Elisabeth-Aue? Vielleicht ein finaler Kompromiss nach schwierigen Verhandlungen.

Der Erfolg zählt

cr_lvs_pa_elisabeth_aue2„Egal“, freut sich Oskar Tschörner, Sprecher der Bürgerinitiative Elisabeth-Aue. „Was allein zählt, ist der Erfolg aller, die sich gegen die Zerstörung eines großartigen Naturraums stark gemacht haben. Danke an Grüne, Linke, an die lokale CDU.“ Der 73-Jährige, Landschaftsarchitekt von Beruf, steht mit dem Blankenfelder Landwirt Michael Neuendorf am Rande der Aue auf des Bauern Land. Eine Herde Schafe wuselt um die beiden herum, grasend, gesund. Natur pur in der Metropole Berlin. „Alles futsch, wären hier die Bagger angerückt. Zum Glück hat die Einsicht gesiegt“, sagt Neuendorf erleichtert.Vor zwei Jahren holte er Oskar Tschörner aus dem Bett: „Hast du schon gehört – die wollen unsere Aue bebauen!“ Das war der Auftakt für ein Bürgerbündnis, das – gemeinsam mit dem Verein Elisabeth-Aue e.V. – unablässig für den Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft warb. „Wir haben das Recht auf unserer Seite“, sagt Tschörner. „Auch das Baugesetzbuch fordert die sinnvolle Verdichtung innerstädtischer Bereiche und nicht die weitere Versiegelung der Außenbezirke.“ Sämtliche Anhörungen und Bürgerforen zum Milliarden schweren Bauprojekt waren eine Farce, sagen beide. Wie auf der Aue Wohnen und Natur harmonieren sollten, blieb nebulös. Vorbei. Doch die Kuh ist noch nicht vom Eis: Jetzt müssen die Felder im Flächennutzungsplan weg von der Qualifizierung als „Bauland“ und eindeutig als Landwirtschaftsflächen ausgewiesen werden. „Dafür kämpfen wir jetzt“, verspricht Tschörner.

Zitiert

Jens-Holger Kirchner, Pankows grüner Baustadtrat, stand bei der „Elisabeth-Aue“ immer zwischen Baum und Borke. Während das Bezirksamt die Aue – auch in einer abgespeckten Variante – stets wollte, hatten sich die Bezirksverordneten (Grüne, Linke, CDU) mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Nach der Absage bleibt er gelassen. „Irgendwo muss gebaut werden“, sagt er. „Innerstädtisch allein reicht nicht, um das Wachstum aufzufangen. Klar müssen wir dabei die Interessen von Wohnen und Natur gründlich abwägen und Ausgleiche schaffen. Und das noch stärker mit den Bürgern.“

Text und Bilder: Jürgen Zweigert

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