Künstler dürfen bleiben

Kulturstandort: Gesobau verschiebt Modernisierung der Gerichtshöfe um zwei Jahre.

Auch in diesem Jahr laden die Künstler in den Gerichtshöfen an der Weddinger Gerichtstraße am Nikolaustag um 18 Uhe zu „MOKUZUMIMI“ ein. Hinter dem kryptischen Namen steht so viel wie „Moderne Kunst zum Mitnehmen“. Künstler tapezieren die Wände einer Atelieretage mit transparenten Plastiktüten, die mit Kunst gefüllt sind. Für maximal 100 Euro pro Tüte können Besucher Malerei, Zeichnungen, Fotografie und Objekte kaufen. Dass die Künstler inm diesem Jahr ihr Fest feiern können, war in den vergangenen Wochen nicht immer klar.

Grund dafür waren Existenzängste der Kulturschaffenden vor Ort. Anfang November veröffentlichte die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Gesobau Modernisierungspläne für die Gerichtshöfe zum Bau von 150 Studentenwohnungen. Dafür sollten sämtliche Gewerbetreibende und mehr als 80 Künstler ihre Arbeitsgrundlage an diesem Kulturstandort verlieren. Nach intensiven Gesprächen zwischen Künstlern, dem Wohnungsunternehmen und der Bezirkspolitik lenkte die Gesobau ein und sprach sich offiziell für eine „Verschiebung der Modernisierung um zwei Jahre“ aus. Irina Herz, Geschäftsbereichsleiterin für den Gesobau-Bestand unter anderem in Mitte, erklärt: „Wir nutzen die Verschiebung jetzt, um optimale Lösungen für neue Raumnutzungen zu entwickeln.“ Die Schaffung von neuem Wohnraum bleibe jedoch der Fokus der Gesobau – begründet durch die Verpflichtung der landeseigenen Wohnungsunternehmen, bis zum Jahr 2026 100.000 neue Wohnungen errichtet zu haben. Die Gerichtshöfe würden sich ausgezeichnet für „studentisches Wohnen und kreatives Arbeiten“ eignen, teilt die Gesobau mit. „Natürlich begrüßen wir es, dass die Gesobau die Modernisierung der Gerichtshöfe um zwei Jahre verschieben will“, sagt Birgit Bayer vom Verein „Kunst in den Gerichtshöfen“, und weiter: „Wir verstehen, dass die städtischen Wohnungsbaugesellschaften verpflichtet sind, neuen Wohnraum zu schaffen und auch die steigende Anzahl von Studenten zu berücksichtigen. Aber wir lehnen es ab, dass die notwendige Schaffung von Wohnraum um den Preis der Vernichtung von Arbeitsplätzen geschehen soll.“ Grundsätzlich befürworten die Künstler die Erweiterung ihrer Gemeinschaft um Studierende.

Sara Klinke

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