Eine Reise zu Alice ins Wunderland

Kultur: Der alte Hase Volkmar Neumann begeistert mit seinem Kinder-Musical-Theater nicht nur das junge Publikum.

Was für ein Leben: Alles erreicht und mit 81 Jahren immer noch mittendrin! Letzte Proben vor der Premiere am 9. Dezember in der „Urania“ und das „Alice im Wunderland“-Team schart sich um Volkmar Neumann. Aufmerksam lauschen Alice, das Kaninchen, der Hutmacher, die Katze, die Königinnen und Co. den konzentrierten Regieanweisungen des alten Barden. Dieser lächelt verschmitzt: „Ich hatte Glück, viel Glück. Ich konnte Hobby und Beruf auf und vor der Bühne leben. Das trägt bis heute.“ Dennoch habe er das Grauen nie abschütteln können, den Krieg, dessen Ende der Berliner als Zehnjähriger erlebte. Die Trümmer, den Hunger, das Leid der Kinder. Erinnerungen, aus denen er seine Motivation für sein leidenschaftliches Engagement als Chef des Kinder-Musical-Theaters Berlin zieht. Es gelingt ihm meisterhaft, die jugendlichen Darsteller und ihr Publikum zu begeistern.

Von der Pike

cr_lvs_re_kindermusical1Volkmar Neumann ist ein Vollprofi in seinem Metier. Er hat die Schauspielerei von der Pike auf gelernt, ist Regisseur, Autor, Dramaturg. Alle großen Berliner Häuser und viele in der Republik sind ihm vertraut: In den 1950er-Jahren kam er ans Maxim-Gorki-Theater, an dem damals Hans-Dieter Mäde, der spätere DEFA-Chef, und Horst Schönemann Regie führten. Hier machte er seine Bühnenreife, bevor er Ende der 60er an die Volksbühne ging, wurde Regieassistent von Benno Besson. „Er lehrte mich vieles, von dem ich heute noch zehre“, sagt Neumann. Auch das „Distel“-Kabarett profitierte von seinen Inszenierungen. Doch seine eigentliche Bestimmung erfuhr er 1973, als Wolfgang E. Struck den vielseitigen Künstler an den Friedrichstadt-Palast lockte. „Musik, Ballett, Schauspielkunst, diese Mischung reizte mich sehr“, erklärt er seinen Wechsel ins eher heitere Fach. Hier inszenierte Neumann viele Revuen und Musicals, die aus dem Haus ein Weltklasse-Theater machten. Vor allem die begeistert aufgenommenen Kinderrevuen sind sein Werk.

Hält jung

cr_lvs_re-kindermusical2Mit der Politik haderte Volkmar Neumann zwar oft, doch unterkriegen ließ er sich nie. Auch nicht zu Beginn der 90er-Jahre, als der Berliner Senat die gesamte künstlerische Leitung des Friedrichstadt-Palastes feuerte. Rente? Undenkbar! Er ließ sich ein auf das „Abenteuer Marktwirtschaft“ und lieferte mit seiner Show-Agentur erfolgreiche Musicals und Revuen aus eigener Produktion. Beispielsweise seine Inszenierung von „La Cage Aux Folles“ im Landestheater Flensburg. 2004 gründete er dann das Kinder Musical Theater Berlin e.V., in dem profilierte Künstler und Pädagogen Kinder musikalisch, tänzerisch und schauspielerisch ausbilden. „Es macht Spaß, mit Kindern zu arbeiten. Sie sind ehrlicher, unverfälscht. Außerdem wird man nicht so schnell alt“, schmunzelt Volkmar Neumann.

Text ud Bilder: Jürgen Zweigert

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