Ohne Rute unterwegs

Berliner Weihnachtspersonal wird in der Hardenbergstraße rekrutiert.

Der Weihnachtsmann mag ja am Nordpol wohnen oder seine Post in Himmelpfort erledigen, seine Jobs bekommt er jedenfalls in Charlottenburg, in der Hardenbergstraße 34. Dort hat das Studentenwerk Berlin sein Weihnachtsmannbüro. Bereits seit 1949 vermittelt das Studentenwerk Berliner Studierende als Weihnachtsmänner für den Heiligabend. Seit den 80er-Jahren gibt es zudem die „Weihnachtsengel“, die den Weihnachtsmann begleiten oder auch solo bzw. als „Christkind“ gebucht werden können. Seit Mitte Oktober hatten Studierende die Möglichkeit, sich als Weihnachtsmann oder Engel, allein oder als Paar, beim Studentenwerk zu melden. Egal, ob sie die Tour mit dem eigenen PKW, dem eigenen Fahrrad oder zu Fuß absolvieren mochten.

Qualität gefragt

Das Studentenwerk legt bei der Vermittlung seines Weihnachtspersonals größten Wert auf Qualität. Studierende, die sich neu für die Aktion anmelden, erhalten deshalb eine spezielle Schulung. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt in der Vorbereitung auf die Bescherung an Heiligabend. Bewerber erhalten Verhaltensregeln, Tipps und Tricks und üben in Rollenspielen die Bescherung. Der vierstündige Workshop beinhaltet eine Einführung in die Kulturgeschichte des Weihnachtsfestes, klärt Anforderungen ans Kostüm und Erscheinungsbild und liefert Grundlagen zum Entertainment.

Die Teilnehmer erhalten pädagogisch-psychologische Grundkenntnisse für den Einsatz in den Familien und üben zudem das Verhalten in Krisensituationen ein, etwa wenn scheue Kinder zu weinen beginnen, Geschenke voreilig aufgerissen werden oder es zu Streit in der Familie kommt. Die künftigen Santas und Engel lernen Improvisationstechniken kennen und probieren diese aus. Außerdem sollten sie mindestens zwei Weihnachtslieder singen und anstimmen können. Besonderen Wert legt das Studentenwerk auf den wertschätzenden und positiven Umgang mit den Kindern. Häufig möchten Eltern, dass ihre Kinder für die eine oder andere Unart getadelt werden. Dies tun Weihnachtsmänner und –engel des Studentenwerks aber grundsätzlich nicht. Sie sind vielmehr Freund der Kinder und setzen sich im Zweifel für die Interessen der Kinder und nicht die der Eltern ein. Und sie sind stets ohne Rute unterwegs! Ende November trafen sich Berlins Weihnachtsmänner zu ihrer jährlichen Vollversammlung, wo sie zertifiziert in die Adventssaison entlassen wurde.

Lohnender Einsatz

Am Wochenende war Annahmeschluss für diesjährige Aufträge. 209 Weihnachtsmänner, darunter auch schon mal eine Frau, sowie 20 Weihnachtsengel haben diesmal angeheuert. Exakt 2.600 Aufträge sind eingegangen. „Das heißt, wir verzeichnen dieses Jahr einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit 217 Akteuren und 2.500 Aufträgen“, freut sich Studentenwerks-Sprecherin Jana Judisch. Noch nimmt das Weihnachtsbüro Last Minute-Aufträge an, allerdings unter Vorbehalt. Die Akteure entscheiden selbst, ob sie sich ihre Tour mit weiteren Aufträgen auffüllen. Deren Einsatz lohnt sich: Bei durchschnittlich zwölf Einsätzen kommt der werktätige Weihnachtsmann oder Engel an einem Abend locker auf
500 Euro – ohne Trinkgeld!

red/mh, Bild: Luise Wegener

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