Das Ende vom Schandfleck

Accentro hat die Objekte an der Gehrenseestraße gekauft.

Beschmierte Fassaden, zerstörte Fenster und überall Müll auf dem zugewucherten Gelände. Lichtenberger und Marzahner Nachbarn und Passanten kennen das trostlose Bild, das die ehemaligen Wohnheime der DDR-Vertragsarbeiter auf der Grenze zwischen beiden Bezirken schon seit Mitte der neunziger Jahre abgeben. Obdachlose, die in kalten Wintern hier den Tod fanden und die dubiosen Eigentumsverhältnisse des Geländes mit seinen sechsgeschossigen Häusern sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für skandalträchtige Schlagzeilen. Ein griechischer Investor mit vermutlich zu dünn aufgestellter Liquidität und immer wieder neu auftretende Projektentwickler, die mit Konzepten und Finanzierungen weiterhelfen wollen, gehören lange Jahre zur lokalen Nachrichtenlage hier im Berliner Norden.

Vertragsabschluss wasserdicht

In einer Zeit, in der die Nachfrage die Miet- und Kaufpreise für Immobilien in neue Preis-Dimensionen befördert, soll damit nun endlich Schluss sein. Jetzt hat der schwäbische Immobiliendienstleister Accentro mit Sitz in Berlin das Grundstück mit den rund 650 verfallenen Wohnungen übernommen. „Der Deal mit dem letzten Eigentümer, der Münchner Baugesellschaft mbh, hatte sich über mehrere Monate hingezogen. Den Vertragsabschluss hatte die Accentro jetzt zum Jahresende unterzeichnen können“, erläutert Jan Hutterer, PR-Sprecher für das Unternehmen, das sich mit einem jährlichen Umsatz von rund 140 Millionen Euro als marktführend in der Wohnungsprivatisierung bezeichnet. An der Gehrenseestraße plant die Accentro nun die vorhandenen Ruinen zu sanieren und aufzustocken – mit zum Paket des Projektentwicklers gehört auch der Bau eines Kindergartens und von öffentlichen Spielplätzen. „Bis zum Jahr 2020 soll alles fertig sein. Danach sind alle Wohnungen in einer Größe zwischen dreißig und einhundert Quadratmetern für eine Privatisierung vorgesehen“, erläutert Hutterer. Der Baubeginn für die Sanierung der 675 Wohnungen ist noch für 2017 geplant und soll häuserweise in neun Bauabschnitten erfolgen. Für die millionenschwere Investitionssumme, die das riesige Projekt in Anspruch nehmen wird, hat sich die Accentro bereits in den vergangenen Monaten „fit“ gemacht und die Mehrheit ihres bisherigen Bestandsportfolios veräußert. Für Lichtenbergs Stadträtin für Stadtentwicklung, Birgit Monteiro (SPD), ist hat die neue Entwicklung an diesem Standort seine Licht- und Schattenseite.

Gemischte Gefühle

Die Bebauung nur mit Eigentumswohnungen sieht sie wenig vereinbar mit den bezirklichen Zielen und Bedarfen. Sie fordert eine Quote für den Mietsatz, den auch finanziell weniger gut gestellte Mieter bezahlen können „Im erforderlichen städtebaulichen Vertrag nach dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung ist ein Anteil von dreißig Prozent des förderfähigen Mietwohnraums herzustellen“, so Monteiro, die die grundsätzliche Bewegung in diesem Projekt begrüßt: „Auch ich möchte, dass der Schandfleck der Gebäuderuinen an der Gehrenseestraße endlich beseitigt wird.“

Stefan Bartylla, Bild: imago stock&people / Olaf Wagner

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