Der Albtraum einer Seniorin

Verbrechen: Mit dem Enkeltrick 68.000 Euro erbeutet.

Das Ersparte ist weg – mit dem Enkeltrick ergaunert. Seit Ende der 90er Jahre passiert es immer wieder: Senioren werden vom vermeintlichen Enkel angerufen und dringend um Geld gebeten. Aus fadenscheinigen Gründen kann der Enkel nicht selber kommen, und schickt einen fremden Boten. Der Fremde bekommt die Summe ausgehändigt und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. So ist es am Nachmittag des 12. Januar auch Renate K. (75) aus Neukölln ergangen.

Die alte Dame ist nervlich am Ende

„Ich traue mich gar nicht mehr raus“, sagt sie weinend. „Genau das ist falsch“, rät Michael Kühl vom Landeskriminalamt. „Das kann jedem passieren und die Opfer müssen unter Menschen, um das Geschehene zu verarbeiten.“ Renate K. erzählt unter Tränen, dass sie von ihrem angeblichen Sohn an dem Tag angerufen wurde: Er stünde mit seinem Auto im Stau. „Er hat immer wieder auf mich eingeredet, er brauche von mir sofort 50.000 Euro, um eine Wohnung zu kaufen. Er habe bereits 50.000 Euro beim Makler bezahlt und wenn er nicht die Restsumme bezahle, sei sein Geld weg. Er hat gefleht und mich Mutti genannt.“ Als Renate K. sich über seine veränderte Stimme wunderte, erklärte er, er sei erkältet. Er könne nicht selbst kommen, weil er im Stau stünde und appellierte an ihr Mutterherz. Zuletzt hatte er die Rentnerin sogar überredet, ihr fast das gesamte in der Wohnung befindliche Geld zu geben: rund 68.000 Euro. Der falsche Sohn redete die ganze Zeit weiter auf Renate K. ein – bis der Bote vor der Tür stand. „Plötzlich fragte er noch nach Sparbüchern und ich wurde stutzig. Aber da war der Bote mit meinem Geld schon weg“, schluchzt das Opfer. „Ich ging zu meiner Nachbarin, damit sie meinen Sohn in Schwerin anruft. Ich war nicht mehr in der Lage, die Nummer zu wählen. Er meldete sich von zu Hause – damit war klar, ich war betrogen worden.“

Kein Einzelfall

„Das passiert oft“, stellt Michael Kühl fest, der als Ansprechpartner für Seniorensicherheit eingesetzt ist. „Deshalb halten wir zum Beispiel Vorträge in Senioreneinrichtungen und führen einmal monatlich kostenlos im LKA-Gebäude am Columbiadamm 4 Infoveranstaltungen durch.“ Am Hohenzollerndamm 177 finden einmal im Monat im Präventionstheater Aufführungen statt, in denen die Trickbetrügereien dargestellt werden. Renate K. hat sich an die Öffentlichkeit gewandt, um andere Senioren zu warnen. Wie die Betrüger an ihre Adresse und Telefonnummer gekommen sind, ist unklar. „Möglichkeiten gibt’s genug, Daten kann man auch kaufen. Und durch geschickte Gesprächsführung erhalten die Täter nebenbei die Informationen, die sie brauchen, von den Opfern selber“, erklärt der LKA-Beamte.

Info-Hotline Seniorensicherheit: (030) 4664-979222

Text und Bild: Anke Walter

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