Albtraum vom Steinberg

Mieter wehren sich mit Erfolg gegen Sanierungspläne.

Seit 900 Tagen halten die „Steinberger“ Mahnwache im Zelt vor dem Haus Kehrwieder 1. „Gentrifizierung macht krank, kostet Lebensqualität. Doch wir geben nicht auf. Niemand darf uns vertreiben“, sagt Christian Malinowski, gemeinsam mit Hartmut Lenz, Sprecher der Mieterinitiative. Der 64-jährige Lenz ist Oma Annis Sohn – jener Mietrebellin, die noch mit 95 Jahren Immobilienprofiteuren erfolgreich Paroli bot und Ende Dezember verstarb.

Begehrte Lage

Die Mieter der „Kleinhaussiedlung am Steinberg“ erleben seit 2010 ihren Albtraum. Damals gingen die 38 Reihenhäuschen und 24 Wohnungen in den Besitz der „Am Steinberg Entwicklungsgesellschaft“. Und so wurde die 1920 erbaute, unter Denkmalschutz stehende Wohnanlage zum Spekulationsobjekt. Seit Generationen ist sie Heimstatt „kleiner Leute“. Im Laufe der Jahre machten diese ihre einfach ausgestatteten Häuser wohnlicher, viele bauten Bäder und Gasheizungen selbst ein. Die Nettokalt-Mieten liegen unter 500 Euro. Der Clou sind die großen Hausgärten. Solche Lage weckt Begehrlichkeiten. Der neue Besitzer vermarktet die Häuser nach umfangreichen Umbauten für weit mehr als eine halbe Million Euro. Er wirbt um Investoren, die von den hohen Abschreibungen für denkmalgeschützte Objekte profitieren wollen. 16 Häuser sind bereits saniert, doch die wenigsten schon wieder bewohnt. „Und denkmalschutzgerecht geschieht das alles nicht“, moniert Malinowski.

Vertrag schützt

Der neue Eigentümer überzieht die Altmieter mit einer Klagewelle: Kündigung oder Duldung seiner Baumaßnahmen. In diesem Fall würde sich die Miete verfünffachen. Das kann sich hier niemand leisten. Carla und Gerhard Fiedler, seit 30 Jahren Mieter im Rosensteg, haben das Gerichtsverfahren gerade hinter sich: „Wahnsinn, mehr als 2.000 Euro sollten wir nach der Modernisierung zahlen“, empört sich Fiedler. Das Berliner Landgericht urteilte Anfang Januar: Die Fiedlers müssen die Modernisierung nicht dulden. Davor schützt sie Paragraf 6 ihres Mietvertrages aus den 80er-Jahren, nach dem sie nur Maßnahmen dulden müssten, die notwendig seien, um etwa drohende Gefahren abzuwenden. Dies sei hier nicht der Fall. Ein Präzedenzfall, der auch die noch ausstehenden Verfahren beeinflussen wird.

Kampf geht weiter

„Kleine Siege sind rechtskräftig, doch die Kuh ist noch längst nicht vom Eis“, sagt Malinowski. „Zwar waren bisher alle Klagen erfolglos, doch der Eigentümer wird nicht aufgeben. Deshalb kämpfen auch wir weiter.“ Rückenwind bekämen sie von der örtlichen SPD, von den Linken, auch von den Grünen. „Nur das Bezirksamt verweigert seine Unterstützung und meidet Kleinkleckersdorf wie der Teufel das Weihwasser“, sagen die „Steinberger“.

Text und Bild: Jürgen Zweigert

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