Zu wenig Ärzte im Bezirk

Neukölln hat Mangel an Fachmedizinern.

Laut Anfrage des Lichtenberger CDU-Abgeordneten Danny Freymark im Berliner Abgeordnetenhaus hat Neukölln die wenigsten Kinderärzte im Berliner Stadtgebiet. Der Versorgungsgrad mit diesen Spezialmedizinern ist dabei mit nur 90,8 Prozent halb so hoch, wie die Quote in Steglitz-Zehlendorf. „Die unbefriedigende Versorgungslage betrifft nicht nur Kinderärzte, sondern auch andere Facharztgruppen wie Radiologen, Frauenärzte und Hautärzte, ist aber aufgrund der hohen Bedeutung einer angemessenen ärztlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen besonders ärgerlich“, erläutert Hannes Rehfeldt, der Präventionsbeauftragte in der Abteilung Jugend und Gesundheit des Neuköllner Bezirksamtes. „Der Grund für die bezirklichen Ungleichheiten dürfte an den unterschiedlichen Sozialstrukturen in den einzelnen Bezirken liegen“, so Rehfeldt. Regionen mit weniger Privatpatienten und einer größeren Anzahl von Schwerkranken sind für Ärzte weniger wirtschaftlich und zählen damit auch nicht zu den Favoriten als Niederlassungsort für Mediziner. „Als Bezirk können wir darauf leider keinen direkten Einfluss nehmen. Die Steuerung und Festlegung regelt die kassenärztliche Vereinigung“, so Rehfeldt. Eine Maßnahme zur Schaffung einer ausgewogeneren Versorgungsstruktur sei aber mit der schrittweisen Verlegung von Praxissitzen nach Freiwerden aus Bezirken mit überdurchschnittlichem in Bezirke mit unterschiedlichem Versorgungsgrad gegeben. Außerdem sei mittlerweile obergerichtlich bestätigt, dass Arztgruppen, mit denen Neukölln unterversorgt ist, nicht in andere Bezirke verlegt werden dürfen, die keine Unterversorgung aufweisen. „Mit diesen Vorgaben ist es beispielsweise nicht möglich, dass ein Kinderarzt aus Neukölln nach Steglitz-Zehlendorf abwandert“, resümiert Rehfeldt.

Exakt auf das Thema der fehlenden Kinderärzte angesprochen, kennt der Fachmann aus dem Bezirksamt die Lage: „Wer selber Kinder hat, kennt auch die Geschichten über lange Wartezeiten oder gar Abweisungen von Neuaufnahmen bei Ärzten hier im Bezirk. Meiner Ansicht nach betrifft das aber auch Bezirke, die formal keine Unterversorgung aufweisen“, so Rehfeldt und ergänzt, „Die Grundlagen für die Berechnung der Arztversorgung erscheinen mir insgesamt nicht mehr aktuell und nicht bedarfsangemessen. Gemeinsam mit dem Bezirk Lichtenberg und zwei Krankenhäusern hat die Abteilung Jugend und Gesundheit daher eine Studie in Auftrag gegeben, die den aktuellen Bedarf erfassen soll. Die wird nach Fertigstellung voraussichtlich im Mai auch der Öffentlichkeit vorgestellt.“

Stefan Bartylla, Bild:Thinkstock / imago / Westend61

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