„The Haus“ – Kunstspektakel auf Zeit

(v.l.n.r.: Björn Reiners, Matthias Groß, Alexander Wolf)

Für zwei Monate verwandelt sich ein altes Bankgebäude in eine Galerie.

170 namhafte Künstler aus 17 Ländern verwandelten die fünf Etagen eines ehemaligen Bankgebäudes an der Nürnberger Straße in ein furioses Urban-Street-Art-Feuerwerk: „The Haus“ tauften sie die von ihnen geschaffene skurrile Welt. Auf 10.000 Quadratmetern gibt es Skulpturen, Installationen, Zeichnungen bis hin zu großformatigen Graffiti. Staunend betrachtet der Besucher die farbenprächtigen Motive aus der Sprühdose, gruselt sich im Dunkeln eines Waldes, sieht eine luftige Installation aus dem Boden wachsen, ist Auge in Auge mit einem riesigen Tiger.

Ohne Profit

„The Haus“ ist weltweit das größte Non-Profit-Kunstprojekt seiner Art. „Jedenfalls so lange, bis uns jemand das Gegenteil beweist“, lacht Kimo von Rekowski, mit seinen Kumpels Jörni und Bolle. Ihr Team „Die Dixons“ ist Initiator des Spektakels. Extra aus diesem Anlass haben sie den Verein „Berlin Art Bang“ gegründet, was in etwa „Kunst-Knall“ bedeutet. Ein Knalleffekt auf Zeit, denn das Kunstprojekt öffnet am 1. April und wird Anfang Juni wieder zerstört: „The Haus“ ist eine temporäre Galerie, geschaffen als Tribut an die Vergänglichkeit der Kunst. „Alle Künstler haben es gewusst, alle haben es gewollt und sich hier honorarfrei ausgetobt“, sagt Kimo. Sie wollen diesem Haus, in dem Jahrzehnte das Geld regierte, ein letztes Mal quirliges Leben einhauchen. „Die Bilder und ihr unwiederbringliches Ende sollen sich ins Gedächtnis der Besucher brennen“, erklärt Mit-Initiator Jörn Reiners. Deshalb sind Fotos verboten, Handys werden in Spezialtüten verschlossen. Allerdings wird es ein Fotobuch geben – Reminiszenz an das vergängliche Kunstwerk.

Eigentumswohnungen kommen

Im Frühsommer dann, nachdem die Abrissbirnen die Galerie „The Haus“ mit allem Drum und Dran zerkleinert haben, wird der Kölner Projektentwickler PANDION auf seinem Grundstück in Toplage sein ebenfalls „The Haus“ genanntes Projekt errichten – für 28 Millionen Euro ein futuristisches Gebäude mit 65 Eigentumswohnungen. Mathias Groß, Niederlassungsleiter Berlin: „Wir suchten bis zum Abriss der alten Bank eine interessante Zwischennutzung und haben die Graffiti-Künstler gefunden.“ PANDION hat ihnen das Gebäude mietfrei überlassen und hofft, dass der Glanz des einmaligen Kulturprojekts auch für seine Geschäfte wirbt. Solche Belebung versprechen sich auch die Künstler für ihre Geschäfte: Klaus Lederer, Berlins „linker“ Kultursenator, hat die Schirmherrschaft übernommen. „Ein deutliches Zeichen, dass urbane Kunst künftig ernster genommen wird und mehr Freiflächen im öffentlichen Raum bekommt“, hoffen Kimo und sein Team.

Text und Bild: Jürgen Zweigert

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