Schneller als mit dem Auto

Freie Fahrt für Radler: Aus 30 Trassen will der Senat vier auswählen, die künftig Radschnellwege werden sollen – Ende des Jahres soll die Enscheidung stehen.

Was es in den Niederlanden, Göttingen und im Ruhrgebiet bereits gibt, das braucht Berlin auch. Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner kündigt an: „Ende 2017 ist klar, welche Radschnellwege als Erstes eingerichtet werden. Es zeichnet sich ab, dass wir mit vier Projekten starten werden“, so der Grünen-Politiker. Bisher wurde über Fahrrad-Highways in Berlin vor allem intensiv diskutiert. Verschiedene Initiatoren haben Trassenvorschläge erarbeitet, zum Beispiel die Potsdamer Stammbahn. Das öffentliche Interesse ist sehr groß.

Ohne Umwege

Radschnellverbindungen sind bequeme und attraktive Angebote für Radfahrende. Sie müssen viele Qualitätsanforderungen erfüllen, damit sie auch bei hohen Geschwindigkeiten sicher zu befahren sind: Sie sind mindestens drei Meter breit, vom Fußverkehr getrennt, gut beleuchtet, haben einen hochwertigen Belag. Die Strecke verläuft direkt und möglichst ohne Umwege wenigstens drei Kilometer innerhalb des S-Bahn-Rings. Radschnellverbindungen sollen so Anreize schaffen, häufiger das Fahrrad zu benutzen – auch auf Strecken, die länger sind als fünf Kilometer. Die umweltfreundliche Alternative zum motorisierten Verkehr lohnt sich für viele Menschen und auf vielen Wegen – besonders dann, wenn man mit dem Rad sicher und schnell unterwegs sein kann. Rad fahren entlastet die Straßen und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Die zuständige Senatsverwaltung hat deshalb eine Arbeitsgemeinschaft beauftragt, 30 geeignete Trassenkorridore zu suchen, deren Potenziale zu prüfen sowie die Chancen auf Realisierbarkeit zu bewerten. Derzeit erfolgt die Auswahl der zwölf Korridore, für die Detail-Untersuchungen vorgenommen werden sollen. Die ersten Ergebnisse zur Stammbahn-Trasse, deren Prüfung aufgrund eines Auftrags aus dem Abgeordnetenhaus bereits vorab läuft, sind Ende März zu erwarten. Die Fahrzeit von Lichterfelde West zum Potsdamer Platz würde sich von 44 auf 25 Minuten verringern, versprechen Experten. Weder Auto noch Busse und Bahn können das unterbieten.

Verlauf der 30 zu prüfenden Trassenkorridore

Da Flächen im wachsenden Berlin rar und wegen unterschiedlicher Nutzungsinteressen hart umkämpft sind, haben Betriebs- und Wirtschaftswege beziehungsweise parallel verlaufende Wege an Autobahntrassen sowie überdimensionierten Straßenverkehrsanlagen oder stillgelegte Bahntrassen, etwa die Siemensbahn und Teile der Stettiner Bahn, das Interesse der Planer geweckt. Vor allem die Idee, im Südosten Berlins den Betriebsweg zwischen der Autobahn A 113 und dem Teltowkanal auszubauen, erhielt unter den Top 12 die Bestnote 1,9. Es folgen die Routen Südstern – Rungiusstraße, der Betriebsweg A 100, Königswegs – Kronprinzessinnenweg sowie Straße des 17. Juni und Flughafen Tegel – Hohenzollernkanal mit Noten von 2,2 bis 2,3.

red/mh, Visualisierung: Staubach+Kuckertz Architekten

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