Im Duo in den Job starten

Projekt: Vom Tandem Programm profitieren Flüchtlinge und Deutsche.

Wenn die Mühen besonders groß sind, braucht es manchmal zwei Menschen, um sie zu bewältigen. Das ist auch das recht einfache Prinzip des Tandem-Job-Programms.

In den Unternehmen, die bei diesem Projekt des Jobcenters Lichtenberg mitmachen, bilden jeweils ein Langzeitarbeitsloser und ein Geflüchteter ein Team, das sich im Arbeitsalltag gegenseitig unterstützt und voneinander lernen kann. Beide erhalten den gleichen vollen Lohn. Der Arbeitgeber bekommt vom Jobcenter für ein Jahr lang bis zu drei Viertel der Lohnkosten in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung als Fördergeld erstattet. Mitmachen können alle Geflüchteten, die eine gesicherte Bleibeperspektive in Deutschland und den Integrationskurs absolviert haben. Für Langzeitarbeitslose gibt es keine Zulassungsbeschränkungen.

Am Anfang

Die Idee dazu kam vom Bundestagsabegeordenten Dr. Martin Pätzold (CDU) und wird seit Dezember des vergangenen Jahres an bislang sechs Arbeitsplätzen im Bezirk umgesetzt. Im Krankenhaus Herzberge bilden seit einigen Wochen Al Tamo Hassan und Jens Ortmann ein Team. Sie kümmern sich auf dem riesigen Campus um Transporte, Medikamentenbesorgungen und Umräumarbeiten. Ortmann war seit 15 Jahren arbeitslos – zuvor war er als Handwerker tätig und ganz früher mal als Matrose in der Binnenschifffahrt unterwegs. Gesundheitliche Probleme schoben den 46-jährigen zunehmends in die jahrelange Arbeitslosigkeit – damit soll jetzt Schluss sein. „Die ersten Tage waren schon schwierig“, räumt Ortmann ein, der seit Februar diesen Jahres im Krankenhaus beschäftigt ist. Sein Job-Partner ist Ali Tamo Hassan, der vor sechs Jahren als Flüchtling mit Frau und dem erwachsenen Sohn nach Deutschland kam. Im Irak war Hassan Bauer. Obwohl er schon in Deutschland schon einige Sprachkurse absolviert hat, fällt dem 63-jährigen die deutsche Sprache noch immer sehr schwer. Jetzt wollen beide voneinander profitieren, den Rhythmus in einer dauerhaften Beschäftigung finden und Tamo Hassan auch die deutsche Sprache und den Umgang im Team eines großen Unternehmens lernen.

Als Arbeitgeber im Tandem-Projekt sind derzeit das Tierparkhotel Abacus, die Werkstattabteilung der BVG und eben das Krankenhaus Herzberge aktiv. „Uns war bei der Auswahl der Arbeitgeber natürlich auch wichtig, dass der Wunsch besteht, über die Förderung hinaus das Arbeitsverhältnis fortzuführen“, erläutert Lutz Neumann, der Geschäftsführer des Jobcenters Berlin Lichtenberg den Modellversuch, in dem jetzt sechs die Tandem-Pärchen im Einsatz sind.

Auch beobachten

Für den Initiator Martin Pätzold steht zudem der Modellchrakter des Projektes im Vordergrund. „Wir wollen neue Erkenntnisse gewinnen. Dazu werden Abschlussarbeiten an der Hochschule für Technik und Wirtschaft vergeben, die das Projekt auswerten sollen“, sagt Pätzold. Eine zukunftsweisende Vorgehensweise, die auch Shirin Khabiri-Bohr, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Berlin Mitte begrüßt: „Um Langzeitarbeitslosigkeit abzubauen und geflüchtete Menschen nachhaltig in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren ist es wichtig neue Wege zu gehen. Wir unterstützen die Geflüchteten und die Langzeitarbeitslosen auf ihrem Weg – um am Ende erfolgreich und dauerhaft im Job anzukommen und einen Beitrag zur Fachkräftesicherung für die Berliner Unternehmen zu leisten.“

Autor und Bild: Stefan Bartylla

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