Zirkusgeschichte zum Mitmachen

Nachbarschaftsfest und Darbietungen am Museumstag.

Am 21. Mai ist Internationaler Museumstag: Weltweit bieten zahlreiche Museen besondere Aktionen, Ausstellungen oder einen Blick hinter die Kulissen. In diesem Jahr steht der Museumstag unter dem Motto „Spurensuche. Mut zur Verantwortung!“. Dazu zeigt das Museum der Europäischen Kulturen (Arnimallee 25) die Sonderpräsentation „Circus. Freiheit. Gleichschaltung“ und lädt zum Nachbarschaftsfest mit Mitmachzirkus, Performances, Live-Musik und kulinarischen Angeboten ein.

Zirkusse waren in Europa stets populäre Formen der Unterhaltung, multikulturell und integrativ. Diesem weltoffenen Milieu stand jedoch der nationalsozialistische Rassenwahn gegenüber, der Menschen unterschiedlicher Herkunft einer hierarchischen Wertung unterzog. Unter den Zirkusdirektoren reichte das Spektrum von Profiteuren bis zu Lebensrettern verfolgter Artisten. Neben weiteren Biografien erzählt die außergewöhnliche Geschichte von Irene Bento, wie die NS-Kulturpolitik die Zirkuswelt beeinflusste und welche Auswirkungen sie auf Artisten und Zirkusse hatte. Bento war eine deutsche Zirkusartistin, die 1939 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ein Berufsverbot erteilt bekam. Indem sie und ein Teil ihrer Familie sich in einem Wanderzirkus versteckt hielten, konnten sie sich vor der Ermordung retten.

Die Veranstaltung im Museum der Europäischen Kulturen erinnert an die Verfolgung von Zirkusleuten unter den Nazis

Erinnerung wachhalten

„Gerade weil das Thema wenig aufgearbeitet ist, will die Präsentation der Projektgruppe ,Circus im Nationalsozialismus’ durch die Verbindung von allgemeiner mit persönlicher Geschichte Geschehenes vermitteln und berühren“, teilt ein Museumssprecher mit. „Sie leistet einen Beitrag zu gegenwartsbezogener Erinnerungspolitik, die in Zukunft auch ohne Zeitzeugen lebendig gestaltet werden muss.“ Das zweijährige Pilotprojekt „Diverging Fates: Travelling Circus People in Europe under National Socialism“ mit Wissenschaftlern aus fünf verschiedenen Ländern will nicht nur die universitäre Forschung, sondern auch die breite Öffentlichkeit für das Schicksal reisender Zirkusleute in Europa während des Nationalsozialismus sensibilisieren. Ausgewählte Lebensgeschichten finden sich auf der Homepage des Projekts.

Das Nachbarschaftsfest am Internationalen Museumstag bietet unter anderem einen Mitmachzirkus für Familien mit Kindern, veranstaltet von Zirkus Zack, dem Kinder- und Jugendzirkus in Friedrichshain. Auf dem Programm steht eine Performance der Projektgruppe „Circus im Nationalsozialismus“ am Trapez mit Live-Musik. Die Teilnahme ist kostenfrei. Weitere Informationen unter www.divergingfates.eu und http://www.smb.museum/home.html.

Red/nm, Bilder: Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Ute Franz-Scarciglia; Privatbesitz Familie Bento-Storms

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