Das verhinderte Weißensee-Desaster

Der Weiterbetrieb des Strandbades am Weißen See ist gesichert.

Ein Albtraum der Superklasse: Der Sommer naht, doch das Bad bliebe dicht. Alexander Schüller, Pächter des Strandbades Weißensee, hat ihn in vielen schlaflosen Nächten durchlebt. Baggerarbeiten am benachbarten Wohnprojekt hatten die Abwasserleitung der beliebten Freizeitstätte hin zum Hauptrohr zerfetzt. Das geschah bereits irgendwann im Winter. Erst mit Saisonbeginn wurde der Schaden bemerkt. Da sich das Schmutzwasser in den Einrichtungen des Bades staute, sperrte das Gesundheitsamt die Anlage. Die wochenlange Ursachenforschung blieb erfolglos – bis einer Anwohnerin das aus dem Erdboden ragende Rohr und die stinkende Pfütze drumherum auffielen..

Puristische Eleganz

So wie es aussieht, darf weiter im Weißen See gebadet werden

Seitdem war in der Schwebe, wer für die Bereinigung des Schlamassels und Herstellung des ursprünglichen Zustandes aufkommt – die Architekten, weil sie sich unzureichend mit dem Untergrund vertraut machten; die bauausführende Firma, weil ihre Arbeiter das Rohr kappten; der Charlottenburger Bauherr Alpha Invest Projektgesellschaft als Gesamtverantwortlicher? Besondere Ironie: Das Projekt wirbt mit der „puristischen Eleganz“, die die 17 luxuriösen Eigentums-See-Blick-Wohnungen ausstrahlen werden. Nun, erkauft wird diese „höchst reinliche“ Vollkommenheit auch mit einer Kloake, die einen Pächter in Existenz bedrohende Not brachte und zehntausenden Badehungrigen, Bierdurstigen und Feierlaunigen den Sommer zu vermiesen drohte.

Komplette Übernahme

„Unser Strandbad im Sommer dicht? Undenkbar!“ – Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) schaltete sich ein, mahnte die Bauherren, die „grob fahrlässig“ handelten, warb um Unterstützung. Mit Erfolg: Die Bäderbetriebe stunden die Pacht von monatlich 5.000 Euro, bieten Rechtsbeistand und Übergangshilfen an, die Architekten gaben 5.000 Euro, ein Radiosender sammelte Spenden. Und auch das größte Problem ist inzwischen vom Tisch: Der Bauherr sicherte die Übernahme der kompletten Reparaturkosten für zerstörte Kanäle und Pumpen sowie eines provisorischen, überirdisch verlegten Leitungssystems zu. Ihm sei die Sache peinlich, signalisiert er, es täte ihm furchtbar leid; das kaputte Rohr tauchte offensichtlich nicht in allen Plänen auf. Alles in allem sind wohl mehr als 150.000 Euro nötig, um das Bad wieder in seinen gesundheits- und umweltgerechten Zustand zu versetzen. Ein teurer Bagger-Zugriff…

Rettung geglückt

Mit dieser Gewissheit im Rücken kann das Bad am Wochenende vorerst wieder öffnen. Eine mehrwöchige Übergangslösung, bestehend aus Container-WCs und Ausschankwagen, macht’s möglich. „Allein hätte ich das nicht geschafft“, sagt Schüller, der die Anlage seit einem Jahr betreibt. Er stand vor einem Horrorszenario angesichts des Verlustausfalls infolge der verfügten Schließung; der Gehaltszahlungen an seine 46 Mitarbeiter; der fälligen Pacht. Woher sollte das Geld kommen? Schüller hatte bereits alles in die Modernisierung des Strandbades investiert. Dennoch: Es wird für ihn ein heißer Sommer mit vielen Unwägbarkeiten. Doch er vertraut dem Bauinvestor, dass die Reparatur in wenigen Wochen beendet ist und sein Bad noch im Juni den Regelbetrieb wieder aufnehmen kann.

Jürgen Zweigert, Bilder: dpa/Hauke-Christian Dittrich, imago/Schöning

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