Stromsperren nehmen wieder zu

Zahl der Menschen, die zeitweise keinen Strom haben, ist 2016 erneut angestiegen.

Jeden Werktag wird 70 Berliner Haushalten der Strom abgestellt. Das sind, so ist es der Antwort des Senats auf eine Anfrage der Die Linke-Fraktion zu entnehmen, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die 17.800 betroffenen  Haushalte mussten im Schnitt 32 Tage ohne Strom, also ohne Herd, Kühlschrank, Telefon, Internet und teilweise auch warmes Wasser auskommen.

Beunruhigende Werte

Mit einem Zuwachs von 14,93 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt der Großbezirk Pankow zwar leicht unter Berlin-Niveau (15,90 Prozent), liegt aber in absoluten Zahlen mit 1.732 Sperrungen hinter Mitte, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg auf dem vierten Rang. Noch gravierender sind die Zahlen, wenn die Entwicklung zwischen 2014 und 2016 verglichen wird. Da nämlich liegt Pankow mit einem Zuwachs von 26,89 Prozent hinter Reinickendorf (44,24) weit überm Berlin-Schnitt (11,29).

Kürzere Fristen

Wie aber kommt es zu einer Stromsperrung? Bezahlt ein Kunde seine Stromrechnung nicht, wird zunächst eine Mahnung ausgestellt. Darauf sollte der Kunde reagieren, denn oft lassen sich die Versorger auf Ratenzahlungen ein. Wem die Stromschulden über den Kopf wachsen, dem bieten Jobcenter oder das Sozialamt Hilfe an. Nach Angaben von Vattenfall werden Sperrandrohungen und nachfolgende Sperrankündigungen der Stromversorgung seit 2016 ausschließlich durch die Stromlieferanten versendet (in Berlin über 400 Unternehmen). Nach Beauftragung hat der Verteilnetzbetreiber Stromnetz Berlin GmbH entsprechend der Vorgabe der Bundesnetzagentur nur fünf Tage Zeit, eine Sperrung durchzuführen, so dass eine schriftliche Vorankündigung durch den Verteilungsnetzbetreiber obsolet wurde.

Unhaltbarer Zustand

In der Vergangenheit wurden Stromsperren in der Regel 20 Tage vorher angekündigt.  Stromnetz Berlin hatte diese längere Frist genutzt, um freiwillig und von sich aus nochmals eine schriftliche Sperrandrohung zu versenden. Für Harald Wolf (Die Linke), ehemaliger Senator für Wirtschaft und energiewirtschaftlicher Sprecher der Die Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus, ein unhaltbarer Zustand. „Die Linke“, so Wolf, „fordert ein Verbot von Stromsperren, zumindest jedoch, dass diese nur nach behördlicher Genehmigung erfolgen dürfen.“ Nur auf diese Weise könne sichergestellt werden, dass  Haushalte“ mit Kindern, Schwangeren und auf die Stromversorgung angewiesenen Kranken nicht der Strom abgeschaltet wird. Dann könnten auch Sozialbehörden und Jugendämter rechtzeitig aktiv werden. Notwendig wäre  auch eine Stärkung der unabhängigen Energieschuldenberatung.

Stille Katastrophe

Fakt ist auch: Stromsperren sind auch ein Indikator für Armut, denn zumeist sind Hartz IV-Haushalte von ihnen betroffen. Harald Wolf verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Energiepreise: „Der im Hartz IV-Regelsatz vorgesehene Anteil für Strom und Wohnungsinstandhaltung von 34,50 Euro reicht nicht aus, um die Kosten zu decken.“ Energiearmut sei eine stille Katastrophe für Millionen Menschen.

Ulf Teichert, Bild: imago/Michael Westermann

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