Berlin feiert Vielfalt

Fest: Der Straßenumzug ist das Herzstück des legendären Karnevals der Kulturen – 63 bunte Gruppen haben sich angemeldet.

Während die letzten Nachtschwärmer den Weg nach Hause suchen, sammeln sich in der Urbanstraße in den frühen Morgenstunden die ersten Akteure für den großen Straßenumzug. Aus der ganzen Stadt bewegen sich Menschen in Richtung Kreuzberg – in großem Kostüm in der U-Bahn oder ihre Instrumente auf Fahrrädern balancierend. Im Aufstellungsbereich finden sich alle Gruppen zusammen, verleihen ihrem Gefährt den allerletzten Schliff, gehen die Choreografie noch einmal durch und schminken sich. Menschen verschwinden unter Großfiguren aus Pappmaché, Stelzenläufer wärmen sich auf. Die erste Gruppe setzt sich  gegen 12.30 Uhr in Bewegung. Alle Hindernisse und Mühen der Vorbereitung sind vergessen – die Trommeln schlagen die Herzen höher…

Weltoffenes Berlin

Der Straßenumzug des Karnevals der Kulturen ist das absolute Highlight des viertägigen Multikulti-Festes in Kreuzberg auf dem Blücherplatz. In diesem Jahr werden Mauern gebaut und wieder eingerissen, feiert der Punk und eine chilenische Universalkünstlerin Geburtstag, entsteigt eine Dame dem Fluss, springt ein Frosch in den Samba, feiern glückliche Kühe das knackige Gemüse. Hier wird sichtbar, dass Verschiedenheit und Gemeinsamkeit sich nicht ausschließen. 4.100 Akteure in 63 Gruppen, davon 61 aus Berlin, werden zeigen, dass Verschiedenheit und Gemeinsamkeit sich nicht ausschließen. Beim Straßenfest (Samstag und Sonntag: 11 bis 24 Uhr, Montag: 11 bis 19 Uhr) gibt es Balkanbeats und Bebop, K-Pop und HipHop, Cumbia und Coupe, Chanson und Dub. Auf den vier großen Bühnen und acht Musik-Corners bringen Berliner Bands und DJs die Ohren zum Wackeln und Füße zum Tanzen. Der Rasen in Aktion lädt zum Mitmachen und der Grüne Bereich zu nachhaltigem Genuss und Information. Die Heilig-Kreuz-Kirche öffnet ihre lichten Räume für Ruhe im Getümmel und über 300 Stände bieten Leckeres und Schönes.

Das diesjährige Motto lautet „Gemeinsam und Dennoch“. Denn die Überlegungen zur Veranstaltungssicherheit unter dem Eindruck der Terroranschläge in Berlin und Europa führten nicht dazu, die Veranstaltung abzusagen oder sie aus Sicherheitsgründen erheblich zu verändern. „Die Akteure der Veranstaltung haben sich entschieden, ihre Freiheit nicht der Angst zu opfern“, teilen die Veranstalter mit. Der Karneval der Kulturen wird in diesem Jahr bereits zum 22. Mal gefeiert. Gegründet als Zeichen gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck Anfang der 90er-Jahre, spiegelt wie kaum eine andere Veranstaltung die Vielfalt Berlins wider. Hier kommen tausende Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und kultureller Bezüge zusammen, um ihre Leidenschaften, Ideen und Wünsche kreativ auf die Straße und Bühne zu bringen. Damit leistet der Karneval der Kulturen über das ganze Jahr kreative und integrative Arbeit für das weltoffene Gesicht der Stadt Berlin.

Hürden genommen

Die Vorbereitungen zum diesjährigen Karneval der Kulturen mussten wiederholt unter sehr großem Zeitdruck durchgeführt werden. Neue gesetzliche Grundlagen für Dienstleister im Veranstaltungsbereich mischten sich  mit Problemen, die durch zwei große Parallelveranstaltungen verursacht wurden. Die daraus entstandenen finanziellen Engpässe hat der Berliner Senat kurzfristig behoben. „Diese großen Schwierigkeiten konnten durch die gemeinsame Anstrengung vieler Beteiligter überwunden werden. Akteure, Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Behörden, Dienstleister – alle haben mehr getan, als sie müssten, mehr als normal ist“, sagen die Veranstalter. Dies sei eine der guten Erfahrungen dieses Jahres. Schirmherr  ist der Regierende Bürgermeister  Michael Müller. Als Partner unterstützen die Gewerbesiedlungs-Gesellschaft mbH (GSG), die Berliner Sparkasse und die Berliner Wasserbetriebe den Karneval der Kulturen 2017. Das Programm und weitere Infos fiinden sich im Internet.

sara/red, Bilder: Frank Löhmer (3)Daniel Incoronato 

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