Zwei wie Pech und Schwefel

Gnadenhochzeit: Seit über 70 Jahren bestreitet das Ehepaar Reuter seinen Lebensweg gemeinsam.

Der Beginn ihrer Liebesgeschichte erzählt sich wie aus einem Märchen: Zurück aus Kriegsgefangenschaft hat der 20-jährige Norbert Reuter einen Auftrag als Monteur in einem Gummersbacher Adelshaushalt ergattern können. Als er an der Türe klingelt, öffnet ihm die Mamsell Christel, damals zarte 22 Jahre jung – und im Nu war es um ihn geschehen. „Wie ein Blitz hat es mich getroffen, als ich sie sah“, erinnert sich Norbert Reuter heute, 71 Jahre später. Er eroberte sie, zog mit ihr nach Berlin und heiratete sie am 17. Mai 1947 vom Fleck weg. Mit Eintritt ins Rentenalter gingen sie zurück nach Gummersbach, doch im Jahr 2009 zog es sie in ihre alte Heimat Berlin. Heute lebt der 92-Jährige mit seiner 94-jährigen Ehefrau in einer hübschen Wohnung in Lichtenrade. Ihren Haushalt erledigen sie selbst, sind in diesem hohen Alter körperlich noch sehr fit. „Meine jüngere Schwester ist uns jedoch eine große Hilfe“, sagt Christel Reuter dankbar. Sie wohne auch mit im Haus, das Verhältnis zwischen den beiden Geschwistern sei sehr innig.

Aktiv bleiben

Hochzeit 1947

Christel und Norbert blicken auf ein Leben voller Höhen und Tiefen zurück. „Wir haben den Krieg erlebt, wir haben vor Hunger geweint. Manchmal haben wir zwei oder drei Tage gar nichts gegessen“, sagt Norbert. Doch genauso viel haben die zwei sich immer Hoffnung gemacht und zusammen gelacht. „Nichts konnte uns jemals trennen“, sagt Christel, die noch lange nicht genug vom Leben hat:: „Wir wollen hundert werden.“ Dafür müsse man geistig fit und aktiv bleiben, sagt Norbert. Er beschäftige sich viel mit Handarbeiten. „Außerdem verwöhnt er mich. Er macht Frühstück, kocht Mittag, bepflanzt den Balkon.“ Sehr glücklich wirken die beiden – so, als wären sie angekommen.

Große Familie

Die Gnadenhochzeit feierte das Paar vor einigen Wochen im Kreise der Familie. Das heißt: zwei Söhne, sechs Enkel und elf Urenkel. „Wir haben nur im kleinen Rahmen gefeiert und trotzdem waren wir über 30 Leute“, sagen die Reuters, denen die Familie einfach alles bedeutet. Zu diesem besonderen Jubiläum ließ es sich auch die für Seniorenarbeit zuständige Stadträtin Jutta Kaddatz nicht nehmen, persönlich ihre Glückwünsche auszusprechen. „Ich habe während meiner Amtszeit noch keine Gnadenhochzeit erlebt“, sagte sie und überbrachte neben einem großen Strauß Blumen auch einen Gruß der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler. Sie richtet ihren Gruß direkt in einem Brief an das Gnadenhochzeitspaar: „Sieben Jahrzehnte teilen Sie nun Ihr Leben – das ist wahrlich eine sehr große Leistung. Ihre Generation hat es nicht leicht gehabt, hat in der Nachkriegszeit unser Land wieder aufgebaut, hat hart gearbeitet, Kinder erzogen und auch manchen Schicksalsschlag zu bewältigen gehabt. Sie haben allen Grund stolz zu sein, dass Sie diese Zeit gemeinsam gemeistert haben.“ Auch das Berliner Abendblatt wünscht dem Ehepaar Reuter alles Gute für die nächsten Jahr.

Sara Klinke, Bilder: Sara Klinke, privat 

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