Wo Berlin am gefährlichsten ist

Laut Kriminalstatistik gehen die Straftaten zurück, doch Berlin bleibt die Hauptstadt des Verbrechens. Die Polizei verbreitet eine Liste mit zehn Hotspots.

Der brutale Angriff vom vergangenen Herbst hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Ein Mann attackiert eine junge Frau von hinten mit einem Fußtritt. Die völlig überraschte Passantin knallt die Betontreppe am U-Bahnhof Hermannplatz hinunter. Seit vergangener Woche muss sich der mutmaßliche U-Bahn-Treter vor Gericht verantworten. Dem 28-Jährigen wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Besondere Rechte

Der Hermannplatz ist einer von zehn Bereichen, die die Berliner Polizei als sogenannte kriminalitätsbelastete Orte (kbO) führt. Dort finden sich ebenfalls wieder: Alexanderplatz, Leopoldplatz, Kleiner Tiergarten, Schöneberg-Nord (zum Beispiel Nollendorfplatz), Görlitzer Park, Warschauer Brücke, Kottbusser Tor sowie Teilbereiche von Hermannstraße und Rigaer Straße. Dort hat die Polizei Befugnisse, die sie andernorts nicht ohne weiteres hat. Sie darf etwa ohne konkreten Verdacht einer Straftat Ausweispapiere überprüfen und Personen sowie Gebäude durchsuchen. Gleichzeitig sind die Ermittler zu verstärkten Maßnahmen zur Kriminalitätsbekämpfung verpflichtet. Früher sei die Zahl der als kbO geführten Orte noch höher als heute gewesen, berichtet die Deutsche Presseagentur.

Görlitzer Park, Kottbusser Tor und Warschauer Brücke sind seit Jahren als Hochburg von Drogenhandel und Diebstählen berüchtigt, während der Alex immer wieder wegen Rohheitsdelikten für Aufsehen sorgt. Überraschender ist, dass der Nollendorfplatz hervorgehoben wird. Doch auch dort kommt es mitunter zu unerwarteten Gewaltexzessen: Derzeit fahndet die Polizei nach einem Mann, der Ende März eine Frau angegriffen und fremdenfeindlich beleidigt haben soll.

Die genannten Hotspots sind ohnehin nur die Spitze des Eisbergs. Berlin ist die Hauptstadt des Verbrechens. Bezogen auf 100.000 Einwohner werden hier mit die meisten Straftaten begangen, nämlich 16.161. Unter anderem trieben die Zahlen für Diebstahl die Werte in der aktuellen Kriminalstatistik zuungunsten Berlins nach oben. Bundesweit sanken sie um 4,4 Prozent. An der Spree wurde der höchste Wert seit zehn Jahren und ein Gesamtanstieg um 1,4 Prozent registriert. Der Taschendiebstahl ging bundesweit um zwei Prozent zurück, in Berlin legten die Zahlen um 10,7 Prozent zu. Und die Aufklärungsrate der Polizei ist besonders schlecht. Im vergangenen Jahr sank sie von 44 auf 42 Prozent. Gegenüber dem Jahr 2015 ging die Zahl der registrierten Straftaten geringfügig um 689 auf 568.860 zurück.

Angesichte dieser Zahlen verwundert es kaum, dass das Thema Sicherheit für viele Menschen an die Spitze der Prioritätenliste gerückt ist. Laut einer repräsentativen Umfrage sind 80 Prozent der Berliner für einen Ausbau der Videoüberwachung auf Bahnhöfen und auch auf öffentlichen Plätzen. Die Mehrheit für zusätzliche Kameras gilt für alle Altersklassen und für Anhänger aller Parteien. Das Sicherheitsgefühl der Befragten hängt demnach aber mehr von der Präsenz der Polizei ab als von den Videokameras. 64 Prozent fühlen sich sicherer, wenn Polizisten in der Nähe sind. Durch Videokameras fühlen sich 42 Prozent der Befragten sicherer. Für 57 Prozent haben die Kameras keinen Einfluss auf ihr Sicherheitsgefühl.

Mehr Polizisten

„Als wichtigstes Mittel zur Verbesserung der Lage ist es wichtig, dass die Koalition ihre Ankündigung wahr macht und der Polizei mehr Personal zur Verfügung stellt“, sagt der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Fritz Felgentreu (SPD) mit Blick auf die Gegend rund um den Hermannplatz. Anwohner hätten kritisiert, dass die Polizei bei scheinbaren Kleinigkeiten, die dennoch ihr Sicherheitsgefühl beeinträchtigen, nichts tut, etwa Fahrraddiebstahl oder Graffiti. Um Gewalttäter schneller auszuschalten, testen Polizisten im Rahmen eines dreijährigen Probelaufs derzeit die „Distanz-Elektroimpulsgeräte“ unter anderem in Mitte und Kreuzberg. Spezialeinsatzkommandos verwenden Taser schon länger, nicht aber Streifenpolizisten.

Nils Michaelis (mit dpa), Bild: Stephanie Pilick

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