Bürokratie: Kombibad lässt weiterhin auf sich warten

Politik: Planungsgezerre verspielt bislang die Chancen auf gute Freizeitangebote für Jung und Alt an der Wolfshagener Straße.

Ein schönes, neues Bad für Pankow – großzügig multifunktional, mit Saunalandschaft, moderner Halle, Planschen und Rutschen, beheizbarem Außenbecken, mit tiefem, flachem, kaltem Wasser. Ein Bad für alle Generationen, für Familien, für Freizeit- und Sportschwimmer. An der Wolfshagener Straße soll es entstehen, wo auf dem Gelände des Sommerbades jetzt noch die alte, seit Jahren baupolizeilich gesperrte und inzwischen nur noch abrissreife Schwimmhalle aus tiefsten DDR-Zeiten vor sich hin gammelt. Möglich macht’s das 2015 beschlossene Bäderkonzept des Senats, das für je 30 Millionen Euro auch  den Bau zweier Kombibäder vorsieht – eines in Pankow, das andere am Ankogelweg in Mariendorf. Eine tolle Sache, denn neue Bäder braucht das boomende Berlin dringend.

Lösung bejubelt

Doch wann werden sie angepackt? Vor zwei Jahren bejubelten Landes- und Lokalpolitiker aller Couleur den „großen Wurf“, eines der Kombibäder nach Pankow geholt zu haben. „Eine Superlösung“, befand damals auch Dr. Hans Misselwitz, Gründungsmitglied des Fördervereins Schwimmhalle Pankow e.V. Er führte dies auch auf die Aktivitäten des Vereins zurück, der sich zunächst für die Wiederbelebung der alten Schwimmhalle einsetzte – was allerdings nicht gelang -, und nun energisch für das geplante Bad wirbt. Alles schien auf gutem Weg, alle waren sich weitgehend einig, auch die Mittel waren aus dem Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt (Siwa) da. Die nötigen Verfahren sollten beschleunigt werden. „Wenn es gut läuft, wird 2021 angebadet“, hatte Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann vergangenes Jahr noch optimistisch prognostiziert.

Keine Beauftragungen

Denkste, würde der Berliner sagen. Denn die Bäder-Protagonisten haben die Rechnung ohne die Bäder-Bürokraten gemacht – und diese verhalten sich ähnlich hartleibig wie die BER-Planer. Längst sollten die beiden Freizeitbäder ausgeschrieben sein, doch da die sportbau- und baufachlichen Prüfungen seitens des Senats immer noch ausstünden, könne auch nichts ausgeschrieben werden, heißt es aus den Bäderbetrieben. Der Senat wiederum fordert von den Bäderbetrieben eine Überarbeitung der Bedarfsprogramme – vorher geschehe nichts.

Gutachten vorhanden

Wie sehr sich der Hund in den Schwanz beißt, unterstreicht auch die Anfrage des Parlaments-Abgeordneten Philipp Bertram (Linke) zum aktuellen Planungsstand des Bades, die Sport-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) unlängst beantwortete. Danach lägen inzwischen zwar alle Gutachten – mit Ausnahme des Naturschutzes – vor, auch die Vorgespräche mit dem Bezirksamt Pankow zum Bauplanungsrecht seien gelaufen, doch zunächst müsse noch eine städtebauliche Machbarkeitsstudie ausgeschrieben werden. Sie sei erforderlich, weil auf dem Gelände zusätzlich der Bau einer Schule geprüft werde. Ein Novum in den Planungen und nötig für den Fall, dass die Proteste lärmgeplagter Anwohner den Bau gleich zweier Schulen auf dem Möbel-Krieger-Gelände Pankower Tor verhindern. Platz ist knapp in Pankow, und da bietet sich das 80.000 Quadratmeter große Sommebad-Gelände an, noch Raum für eine Schule abzuknapsen

Marathon vorhersehbar

Alles offen in Pankow – sowohl die Planungen für das Krieger-Gelände, als auch die für das Freizeitbad. Eines hängt am anderen. Da bahnt sich ein Endlos-Marathon an. Vollrad Kuhn, Pankows grüner Bezirksstadtrat, jedenfalls rechnet  mit einer Planungsphase von bis zu vier Jahren. Die Bäderbetriebe kalkulieren anschließend mit zwei Jahren Bauzeit. Es bleibt alles beim Alten: Wer in Berlin bauen, gestalten und verändern will, braucht einen langen Atem.

Jürgen Zweigert, Bild: Thinkstock/creatas rf/Creatas Images

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