Unsichtbare Gefahr für unsere Kinder

Messungen beweisen: Kinder von Stickstoffbelastung betroffen.

Im Kinderladen Bullerbü in der Schivelbeiner Straße leben, lachen und spielen bis zu 20 Kinder im Alter von
18 Monaten bis sechs Jahren. Beliebt ist die Kita auch, weil sie über großzügige Räumlichkeiten, einen Innenhof sowie einige tolle Spielplätze in Laufentfernung verfügt.  So schön sich das alles anhört und so wohl sich die Kinder  fühlen – der Kinderladen hat mit einem Problem zu kämpfen, von dem viele Menschen, die in der Stadt leben, betroffen sind: mit einer zunehmenden Belastung durch Stickoxide (NOx). Doch während der normale Großstädter nur ahnt, dass er einer permanenten Gefahr ausgesetzt ist, hat es der Kinderladen dank einer Studie, die Greenpeace kürzlich durchführte, schriftlich:   Mit  mehr als 60 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft befindet sich die Kita, leben die Menschen rund um den Arnimplatz in einem Areal, in dem die NOx-Belastung an manchen Tagen weit über dem EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegt.

Unsaubere Diesel

Viele deutsche Großstädte leiden seit Jahren unter zu viel Stickoxid. Doch die Werte werden bislang nur an wenigen offiziellen Stationen geprüft. Mit so genannten Passivsammlern, wie sie auch das Umweltbundesamt einsetzt, hatte Greenpeace in Berlin, München, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Hannover vor Schulen und Kitas gemessen. „Stickoxide sind inzwischen ein flächendeckendes Problem in vielen Städten“, sagt Daniel Moser, Experte für Verkehr bei Greenpeace. „Weil die Hersteller es nicht geschafft haben, tatsächlich saubere Diesel zu bauen, sind heute auch Kinder gefährlichen Abgaswerten ausgesetzt. Inzwischen führt an Fahrverboten für besonders schmutzige Autos kein Weg mehr vorbei.“

Kinder gefährdet

Stickoxide entstehen in Feuerungsanlagen oder Verbrennungsmotoren – in Städten sind Diesel-Autos die Hauptquelle. Die Gase tragen zur Bildung von Feinstaub und Ozon bei. Dies ist auch für Menschen gefährlich. „Lang andauernde Exposition kann zu Beeinträchtigung der Lungenfunktion und zu chronischen Herz-Kreislauferkrankungen führen“, heißt es beim Bundesumweltministerium. Kinder gelten als besonders gefährdet. Laut einer Greenpeace-Studie erhöht sich das Asthmarisiko von Kindern schon bei zehn Mikrogramm um 15 Prozent. „Kinder dürfen nicht die fatalen Folgen von schmutzigen Autos ausbaden“, erklärte Greenpeace-Verkehrsfachmann Daniel Moser. Bürgermeister müssten regelmäßige NO2-Messungen an Schulen anordnen und bei zu hohen Werten Kinderschutzzonen durchsetzen – notfalls auch mit Fahrverboten.

Plakette abgelehnt

Neue Daten des Umweltbundesamts (UBA) haben gezeigt, dass auch neue Euro-6-Diesel auf der Straße im Schnitt sechs Mal so viel gesundheitsschädliche Stickoxide ausstoßen wie erlaubt – im Schnitt 507 Milligramm pro Kilometer. Der Grenzwert fürs Labor liegt bei 80 Milligramm. Insgesamt ist der Stickoxid-Ausstoß der deutschen Diesel-Flotte demnach um rund ein Drittel höher als angenommen. Doch nicht einmal diese Tatsache konnte die deutschen Verkehrsminister bei ihrer jüngsten Konferenz dazu bewegen, die „Blaue Plakette“ einzuführen, mit deren Hilfe auch ältere Dieselfahrzeuge aus den Innenstädten verbannt worden wären. Nur die  Verkehrsminister aus Baden-Württemberg, Hessen, Bremen und Berlin hatten sich für die Blaue Plakette ausgesprochen.

Manfred Wolf, Bild: Thinkstock/iStock/shironosov

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