Turbulente Zeiten für die Volksbildung

Das „Haus der Weiterbildung“ in Lichterfelde wird brandschutzsicher saniert / Abwanderung von VHS-Kursteilnehmern und Dozenten befürchtet.

Das ehemalige Rathaus Lichterfelde in der Goethestraße ist ein solider Bau, doch am zeitgemäßen Brandschutz hapert es massiv. Decken und Elektrik müssen saniert werden. Das Problem daran: Dort hat die Volkshochschule (VHS) Steglitz-Zehlendorf einen ihrer wichtigsten Standorte. Was tun? Unterricht bei Baulärm, ohne Strom, ohne Wasser? „Ausgeschlossen“, sagt der für Bildung zuständige Bezirksstadtrat Frank Mückisch (CDU): „Wir haben alle Varianten geprüft.

Abschnittsweise Schließungen würden die Sanierung deutlich verteuern und verlängern. Völlige Baufreiheit ist der einzig sinnvolle Weg.“ Also macht das Gebäude ab August bis Herbst 2018 dicht und wird für 1,6 Millionen Euro saniert. Währenddessen – so der Plan – ziehen die Kurse andernorts in mehrere Provisorien. Sie befinden sich unter anderem in der Plantagenstraße, der Claszeile, in Räumen des Goethe-Gymnasiums und in verschiedenen Seniorenfreizeitstätten. Vieles ist allerdings noch ungeklärt.

Weitere Wege

Ist das der einzig sinnvolle Weg? Der Bezirksverordnete Norbert Buchta (SPD), Vorsitzender des Haushaltsausschusses, hat da seine Zweifel. Er befürchtet infolge dieses Vorgehens das Aus für den Standort. „Natürlich ist die Brandschutzsanierung dringend nötig. Aber nicht zwangsläufig die totale Schließung. Container und WC-Wagen würden das volle Programm am angestammten Ort auch während der Bauphase weiterhin ermöglichen“, glaubt er. Solche Verlässlichkeit, ein fest gefügtes Raum- und Zeitschema seien für Kursteilnehmer und Dozenten wichtig. Gerade auch mit Blick auf die Deutschkurse für Flüchtlinge. Doch jetzt sei alles offen – deutlich weitere Wege, geschrumpfte Angebotspalette, verunsicherte Teilnehmer und Lehrkräfte. „Wenn Kursteilnehmer wegbleiben, gibt es weniger Anmeldungen oder Kurse fallen aus. Dozenten hängen in der Luft, einige sind schon in andere Bezirke abgewandert“, sagt er.

Buchta rechnet vor: Gewiss, die Container-Variante hätte zusätzlich etwa 200.000 Euro gekostet. Doch das wäre verschmerzbar, wenn das mit den Einbußen infolge absehbar weniger Kursangebote und -teilnehmer verrechnet worden wäre. Diesen Verlust sieht er in diesem Jahr schon bei rund 500.000 Euro und 2018 nochmals bei einem deutlich höheren Betrag. Sein Resümee: „Das Bezirksamt hat es versäumt, rechtzeitig geeignete Ausweichquartiere zu finden. Die Container-Variante wurde unzureichend geprüft. Jetzt wird alles übers Knie gebrochen.“ Eike Stephan, Direktorin der VHS, sieht die Zukunft ihrer Bildungsstätte optimistischer. Zwar rechnet auch sie damit, dass nicht so mobile Bürger infolge der örtlichen und zeitlichen Verlagerungen auf Kurse verzichten. „Doch das Interesse der Bildungswilligen wird sicher nicht nachlassen“, hofft sie. „Zumal es uns gelungen ist, den Umfang des Angebots insgesamt aufrechtzuerhalten, wenn auch in Einzelfällen mit veränderter Planung.“

Einvernehmliche Lösungen

Mit fast allen seien einvernehmliche Lösungen gefunden worden, Honorarausfälle sind nicht zu befürchten. Derzeit sind an der VHS Steglitz-Zehlendorf rund 460 freie Dozenten im Einsatz. Die knapp 2.100 Kurse zählten über 23.000 Teilnehmer. Ende Juli soll das detaillierte Programm 2017/2018 vorliegen. Alle sind gespannt, wie sich dann die Zahlen entwickeln werden.

Jürgen Zweigert, Bild: Thinkstock/iStock/Ableimages

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