Emissionsfreie Pausengestaltung

Umweltschutz: Erste Schüler-Solaranlage sorgt für Hofmusik an Blankenburger Grundschule.

Hier liefern Sonnenstrahlen die Pausenunterhaltung: Kurz vor Mittag, es läutet zur großen Pause, stürmen die Schüler der Grundschule unter den Bäumen im Norden Berlins auf den Pausenhof. Dabei schallen aus einer großen Musikbox moderne Popsongs. Klingt nach einem normalen Grundschul-Alltag. Und doch ist hier in Blankenburg einiges anders. Für die musikalische Unterhaltung sorgt nämlich ein Solarmodul, das den nötigen Strom für die Pausenhof-Disko liefert. Damit ist die Blankenburger Grundschule die erste mit einer eigenen Schüler-Solaranlage.

Diese wurde vor kurzem von Bezirksstadtrat Torsten Kühne und allen am Projekt Beteiligten eingeweiht und ist ein schöner Beweis dafür, wie Stromsparen praktisch funktioniert – und gleichzeitig einen Nutzen für die Schüler haben kann. Auch bei der Schulleitung kommt das Projekt gut an: „Wir wollen künftig in allen großen Pausen Musik aus Solarenergie liefern“, sagt Schulleiter Bernd Woitinek. „Vorausgesetzt, die Sonne sorgt stets für volle Akkus.“

Ein weiterer Punkt ist die Instandhaltung der Anlage während der Ferien. Doch auch dafür meldeten sich schnell engagierte Schüler wie Fritz Kapinsky, Annika Beier oder Enno Wittig, die sich als „Energiemanager“ ohnehin für Klimaschutz und Energieeffizienz an ihrer Schule einsetzen. 16 dieser Energiemanager gibt es insgesamt an der Halbtagsgrundschule. Sie sorgen unter anderem dafür, dass alle Heizungen richtig eingestellt sind.

Erneuerbare Energie

Die Solaranlage, die nun den Pausenhof mit Musik beschallt, ist ihr erstes größeres Projekt. Vor allem die Technik und die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der umweltschonenden Anlage begeistern die Kinder: „Spannend, was in einer Solarzelle passiert und wie aus Sonnenlicht Strom wird.“ Lange wurde hin und her überlegt, wofür die durch Sonnenstrahlen gewonnene Energie eingesetzt werden soll. Eine Handy-ladestation war genauso im Gespräch wie ein au-tarkes WLAN-Netz. Schließlich aber entschieden sich Schüler und Lehrer für die sonnenbetriebene Musikanlage. Da die Mädchen und Jungen, aller Begeisterung für die Sache zum Trotz, den Aufbau des Solarmoduls nicht alleine stemmen konnten, mussten engagierte Investoren her.

Lehrreiches Kopfzerbrechen

Die stratum GmbH, die mit ihren „Köpfchen statt Kohle“-Initiativen als Solar-Vorreiter für energie- und umweltbewusstes Verhalten wirbt, sprang genauso bei wie die dpi-solar Energie GmbH, die das Modul gemeinsam mit den Schülern baute, sowie der Verein FiPP e.V., der die wöchentlichen Treffen organisierte. Martin Biermann betreut die kleinen Tüftler auch jetzt noch und freut sich über den Erfolg der wöchentlichen Meetings: „Jeden Dienstag kamen wir zum Tüfteln zusammen. Ein lehrreiches Kopfzerbrechen, aus dem diese Anlage hervor ging.“

Mit dabei war auch Harry Funk, der für den Senat die Klimaprojekte in Berlin koordiniert. Er sieht ebenfalls den Vorbildcharakter der Grundschule und des bisher einzigartigen Projektes: „Damit wird Solarenergie für die Schüler greifbar und das Thema emotional erfahrbar. Sonnenenergie ist die größte Energiequelle überhaupt – und die günstigste. Der grüne Strom, der mit den modernen Anlagen erzeugt wird, ist umweltfreundlich und trägt zur Verringerung der CO2-Emissionen bei. Die Vorteile der sauberen Energiegewinnung sollen auch die Grundschule unter den Bäumen und das Projekt „Köpfchen statt Kohle“ in den Fokus rücken.

Der Bezirk schloss mit 15 weiteren Schulen eine Art Klimavertrag ab, mit dem sie bekräftigen, sich „für neue Wege der Energienutzung stark machen zu wollen“, so Bezirksstadtrat Kühne. Es fängt klein an, bevor Großes daraus wird – wie an der Grundschule, wo dank klimafreundlich gewonnener Energie die Pausen künftig musikalischer werden und die Schüler lernen, dass Klimaschutz nicht nur ein wichtiger Garant für die Zukunft der Erde ist, sondern auch Spaß machen kann.

Jürgen Zweigert, Bild: Köpfchen statt Kohle, Bernd Wähner

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