„Sleep Out“: Obdachlos für den guten Zweck

Spendenaktion: Prominente, Politiker und alle Interessierten  machen auf die Not Obdachloser aufmerksam.

Sich bei Minusgraden unter einer Brücke einen Schlafplatz einrichten, keine Privatsphäre, kein Schutz vor der Kälte. Was für die meisten nach einem schlechten Traum klingt, ist für viele Berliner Realität. 20.000 Menschen sollen in der Hauptstadt aktuell ohne Wohnung sein. Wahrscheinlich sind es mehr. 3.000 von ihnen leben permanent auf der Straße, in Zelten oder Schlafsäcken, unter Brücken, von denen sie sich Schutz vor der Witterung erhoffen. Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig. Die massiv steigenden Mieten in der Hauptstadt werden für die hohe Zahl an Wohnungslosen genauso verantwortlich gemacht wie die vielen Zuwanderer aus Osteuropa, die hier vergeblich nach Arbeit suchen. Den hohen Zahlen an Obdachlosen stehen die wenigen Notunterkünfte und Auffangstationen gegenüber. Eine der wenigen ganzjährig geöffneten Notübernachtungen ist die des Vereins mob – obdachlose machen mobil, in der Storkower Straße. Auch die Mitarbeiter, größtenteils Ehrenamtliche, erleben tagtäglich, dass immer mehr Menschen nach einer Unterkunft für eine oder mehrere Nächte suchen.

Hilfe durch Selbsthilfe

Zu wenig Platz für zu viele Hilfesuchende: Wartende vor der Notunterkunft des Vereins

Auch durch die anhaltende Verknappung günstigen Wohnraums für sogenannte finanzschwache Menschen nutzen Hilfesuchende vermehrt die Schutzräume des Vereins auf, der unter anderem auch für die Obdachlosenzeitschrift Straßenfeger verantwortlich ist. Der symbolisiert auch die Idee hinter dem Verein: Menschen sollen nicht auf Almosen  und Mitleid anderer angewiesen sein, sondern selbstbestimmt arbeiten können. Der Verein bietet die dazu nötigen Ressourcen. Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Stichwort. Leider stößt der mob e.V. trotz Unterstützung seitens des integrierten Sozialprogramms des Landes Berlin an seine finanziellen Grenzen. Um auf die prekäre Lage der Berliner Obdachlosen aufmerksam zu machen, veranstaltet der mob e.V. am 15. September ein Sleep out vor der Notunterkunft. Alle Interessierten und Spender sind eingeladen eine Nacht im Freien zu verbringen und hautnah zu erleben, was zum Alltag vieler Wohnungsloser und Hilfesuchender gehört.  Was genau hinter der Aktion steckt, erklärt Mara Fischer vom Vorstand des mob e.V.:  „In Berlin gibt es Tausende Obdachlose, für die viel zu wenige Schlafplätze zur Verfügung stehen. Durch den Engpass am Wohnungsmarkt steigt die Zahl der sozial Schwachen, die keine Wohnung finden, immer weiter. Das darf so nicht weitergehen. Diese Menschen brauchen mehr Unterstützung. Mit dem „Sleep-out“ wollen wir auf die verzweifelte Lage der Obdachlosen aufmerksam machen und zu Spenden aufrufen.“

Namhafte Unterstützung

Für die Aktion im Freien konnte der Verein bereits zahlreiche Unterstützer gewinnen, darunter Gregor Gysi, die Bäckerei-Unternehmerin Katrin Steinecke und die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Barbara John sowie einige Mitglieder des Abgeordnetenhauses und des Deutschen Bundestags. Der mob e.V. lädt auch andere Engagierte dazu ein, am 15. September ab 17 Uhr am „Sleep-out“ teilzunehmen und eine Nacht im Freien zu verbringen. Für freie Fläche auf einem Parkplatz in der Nähe der vom mob e.V. betriebenen Obdachlosen-Notunterkunft ist gesorgt. Für die Sicherheit der Teilnehmer ebenfalls. In der Unterkunft stehen notdürftige  Verpflegung sowie Toiletten zur Verfügung. Wer mob e. V. und die Aktion Sleep out mit Spenden oder einer Teilnahme unterstützen möchte, kann sich online anmelden oder per Spendenformular einen Beitrag zu besseren Lebensbedingungen Obdachloser beisteuern. Vielleicht wird Berlin durch Aktionen wie diese bald seinen Titel als Obdachlosen-Hauptstadt Deutschlands wieder los.

Der Verein mob e.V. wurde 1994 gegründet und leistet  Hilfe für Obdachlose in Form von Beratung, Job- und Übernachtungsmöglichkeiten. In der Notunterkunft in der Storkower Straße stehen 31 Betten und ein Sozialcafé zur Verfügung – und das an 365 Tagen im Jahr. Im sogenannten Trödelpoint können Bedürftige günstig Möbel und Gebrauchsgegenstände erwerben. Der Verkauf des „strassenfegers“ ist eine  Option für sie, Geld zu verdienen.

Katja Reichgardt, Bild: Mara Fischer/ mob e.V.  

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