Nur zu Fuß in der „Zossener“

Fußgängerzone: Straße im Bergmannkiez soll weitgehend autofrei werden.

Fußgängerzonen sind rar in Berlin: Wilmersdorfer Straße, Spandauer Altstadt sind die bekanntesten – aber wo noch? Jetzt soll auf Beschluss der BVV Friedrichshain-Kreuzberg mit der Zossener Straße eine weitere dazu kommen. Ein umstrittenes Experiment, mit dem Neuland betreten wird. Doch neu ist die Idee nicht: Schon seit mehr als zehn Jahren wird hier angesichts des wachsenden Verkehrsstroms um ein verträgliches Miteinander der Lärm geplagten Anwohner und Gewerbetreibenden gerungen. Denn die „Zossener“, gelegen zwischen Bergmann- und Gneisenaustraße, wird zunehmend als Schleichweg zur Umfahrung der stark frequentierten Kreuzung Mehringdamm/Yorkstraße genutzt. Selbst viele Fernbusse und große Laster quälen sich hier durch. Noch schlimmer wurde es, seitdem die Verbindung Axel-Springer-Straße/Leipziger Straße offen ist.

Schon lange gefordert

„Daher ist eine Fußgängerzone eine alternative Variante der Verkehrsberuhigung, wie sie von vielen Anwohnern gefordert wird. Sie hat den gleichen Effekt wie eine Sperrung“, begründet Grünen-Fraktionssprecherin Annika Gerold den BVV-Beschluss. Seit langem schon fordert ihre Fraktion die Sperrung der Straße, um den Durchgangsverkehr aus dem Kiez heraus zu halten, aber die zuständigen Hauptverwaltungen lehnten dies immer wieder ab. Ein Argument: Als übergeordnete Straße sei die „Zossener“ bedeutsam über die Bezirksgrenzen hinaus und müsse offen bleiben. Allerdings liegt es im bezirklichen Ermessen, auch für solche Straßen Fußgängerzonen anzuordnen. „Da haben wir jetzt Nägel mit Köpfen gemacht“, sagt Gerold. Völlig autofrei wird die Straße damit nicht – Lieferverkehr und BVG-Busse, auch Radler dürfen durch. Eine „Begegnungszone“, in der alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen partizipieren, ist hier – zunächst – nicht geplant.

Bürger reden mit

Wird es nun also bald ruhiger in der „Zossener“? Das wird garantiert noch dauern. Beschluss und Auftrag an das Bezirksamt zur Errichtung einer Fußgängerzone stehen zwar – doch damit beginnen auch die Mühen der Ebenen. „Nicht über unsere Köpfe hinweg“, fordern Anwohner und Ladenbesitzer. Beide Seiten wollen mit diskutieren, wie das Ganze konkret ausgestaltet werden soll. Dabei gehen die Meinungen durchaus auseinander – so befürchten die Ladenbesitzer Umsatzeinbußen, weil Autos ausbleiben und Parkplätze wegfallen. „Es gibt bislang keine Pläne, wie mit dem Projekt Fußgängerzone Zossener Straße verfahren wird und Bürger beteiligt werden. Wir verfügen auch nicht über finanzielle Mittel dafür“, sagt Grünen-Umweltstadträtin Clara Herrmann. Ein ganzes Stück weiter sei man bereits mit dem benachbarten Projekt „Begegnungszone Bergmannstraße“, das komplett vom Senat finanziert wird. Allerdings habe man sich jetzt – nach Auswertung der weniger guten Erfahrungen mit der Begegnungszone in der Schöneberger Maaßenstraße – mehrheitlich für eine zweijährige Testphase entschieden. „Voraussichtlich im Frühsommer 2018 werden wir mit der Umgestaltung der Bergmannstraße beginnen; die Anwohner sind eng einbezogen“, so Herrmann.

Scharfe Kritik

Pro und Contra der weitgehend autofreien Fußgängerzonen werden weiter heiß diskutiert. Kurt Wansner, CDU-Bezirksabgeordneter in Friedrichshain-Kreuzberg, jedenfalls kritisiert den BVV-Beschluss zur Zossener Straße scharf, hält ihn für einen Schildbürgerstreich. „Die Straße muss offen bleiben“, fordert er und sieht mit ihrer Sperrung nur eine Verlagerung des Durchgangsverkehrs in andere Straßen – dann zum Leidwesen der dortigen Anwohner. Es bleibt also spannend.

Jürgen Zweigert, Bild: imago/Schöning 

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