Ein Gedicht soll verschwinden

Die spanischen Zeilen des Dichters  Eugen Gomringer an der Südfassade der ASH sollen ausgetauscht werden.

Auch wenn es so manchen Betrachter recht spanisch vorkam: Richtig Anstoß nahm bislang niemand in den vergangenen sechs Jahren an den wenigen Gedichtzeilen, die von der Südseite   der Alice-Salomon Hochschule  weithin sichtbar waren. „avenidas“ lautet der Titel des Poems von Eugen Gomringer, der 2011 mit dem Poetik-Preis dieser Hochschule ausgezeichnet wurde. Mit wenigen Begriffen brachte darin der Dichter seine  Bewunderung für Alleen, Blumen und Frauen zum Ausdruck.

Der Vorwurf

In einem Offenen Brief hatte der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der ASH sich im vergangenen Jahr dafür ausgesprochen, das Gedicht von der Fassade zu entfernen. Grund: Es reproduziere „nicht nur eine klassische patriarchale Kunsttradition, in der Frauen ausschließlich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren“, sondern erinnere „zudem unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind“. Das Gedicht wirke „wie eine Erinnerung daran, dass objektivierende und potentiell übergriffige und sexualisierende Blicke überall sein können“. Die Alice Salomon Hochschule reagierte und hat daraufhin jetzt ihre Hochschulangehörigen aufgefordert, Vorschläge für eine (Neu-)Gestaltung ihrer Südfassade einzureichen.  Die Umsetzung soll im Zuge einer notwendigen Fassadensanierung voraussichtlich im Jahr 2018 erfolgen. Auch Eugen Gomringer selbst wurde über die Ausschreibung vorab informiert.

Rund 3.000 Studenten lernen an der Alice-Salomon-Hochschule

Das endgültige Aus für die Gedichtzeilen scheint damit jedoch nicht ganz beschlossen. „Wir als Hochschulleitung bemühen uns um die Erhaltung des Gedichts von Eugen Gomringer – eventuell mit einem erklärenden Zusatz zur Einordnung des Gedichts. Wir nehmen die kritischen Stimmen der Studierenden ernst und möchten diesen Rechnung tragen. Für uns ist es wichtig, dass wir das Werk Eugen Gomringers sowie den verliehenen Poetik-Preis an ihn damit nicht diskreditieren“, sagt ASH-Rektor Uwe  Bettig, der das Gedicht und dessen Anbringung auf der Fassade weiterhin als gelungenes Kunstwerk einschätzt.  Studierende, Lehrende und  Mitarbeiter der ASH-Hochschule können trotzdem ab sofort Vorschläge einreichen, die nach dem 15. Oktober dann in einer  internen Online-Abstimmung ausgezählt werden.  „Nach einer hochschulöffentlichen Diskussion werden dem akademischen Senat danach drei Vorschläge zur Abstimmung vorgelegt: Zwei Vorschläge aus der Ausschreibung und ein Vorschlag der Hochschulleitung. Der akademische Senat entscheidet dann über die Gestaltung“., erklärt Bettig das weitere Vorgehen. für deren handwerkliche Umsetzungen keine  größeren Kosten anfallen sollen.   Die Südfassade, auf der das Gedicht aufgebracht wurde, muss 2018 ohnehin saniert werden, da der Putz bröckelt. Eine eventuelle Neugestaltung wird im Rahmen dieser Fassadensanierung vorgenommen. Die zusätzlichen Kosten, die zum Beispiel für eine Schablonenerstellung anfallen, stehen zur Verfügung“, erklärt der Rektor.

Mitmachen erwünscht

Grundsätzlich können in der Vorschlagsphase auch Hellersdorfer Nachbarn bei der Einreichung der Gestaltunsgsvorschläge mitmachen. „Das Wirken der Hochschule in den Bezirk hinein ist der Hochschule ein wichtiges Anliegen. Anwohner können über Hochschulangehörige ihre Vorschläge einreichen und zur Abstimmung bringen. Die Anforderungen für einen Gestaltungsvorschlag können auf unserer Website eingesehen werden“, erläutert Bettig.

 Stefan Bartylla, Bild: David von Becker, Bild:  Ash Berlin

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