Kopfstand zwischen Job und Familie

Lücken bei der Kinderbetreuung in Steglitz-Zehlendorf.

Beruf und Familie: Passt das, angesichts der Betreuungsangebote, im Bezirk unter einen Hut? Der Bezirksverordnete Sebastian Serowy (Grüne) sieht die Lage kritisch: „Eltern arbeiten oft bis spät abends, an Wochenenden, nachts, in Schichten. Doch Kitas schließen bereits um 16.30, manche um 17.30 Uhr. Da bleibt eine große Lücke für alle, die voll arbeiten. So klappt Vereinbarkeit nicht.“ Schon gar nicht angesichts zunehmend flexibler werdender Arbeitszeiten und eines wachsenden Drucks ständiger Verfügbarkeit. Eine wirksame Hilfe für gestresste Eltern sieht Serowy darin, dass sie die kostenlose ergänzende Kindertagespflege stärker nutzen.

„Das tun viele ja auch“, bestätigt Bezirksstadträtin Carolina Böhm (SPD) auf Serowys Anfrage. „Vor allem Alleinerziehende, die in Schichten arbeiten oder sich fortbilden, nutzen diese Möglichkeit.“ Dabei betreut eine Pflegerin frühmorgens oder abends die Kinder im häuslichen Umfeld, bringt sie in die Kita und holt sie wieder ab. Bei Bedarf auch am Wochenende und nachts.

Im Vorjahr hatte der Bezirk knapp 500 Betreuungsverträge abgeschlossen. In der Hälfte dieses Jahres waren es 272, also etwa 40 im Monat. „Für einen Bezirk mit 300.000 Einwohnern ist das verschwindend gering“, moniert Serowy. „So lange Kinder nicht unkompliziert auch außerhalb von Kita und Schule betreut werden, bleibt die Gleichstellung von Frauen eine Illusion.“ Er sucht nach den Gründen: Warum nutzen fast nur Alleinerziehende diese Möglichkeit? Gehen dieses und andere Angebote an den Bedürfnissen der Eltern vorbei? Werden sie unzureichend informiert?

Extras kosten

Nicht nur die Öffnungszeiten der KItas sind für viele Eltern ein Problem

Böhm verweist auf ein breites Angebotsspektrum und auf eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. Man tue viel, damit Eltern Familie und Beruf besser händeln können – wie etwa mit der „ergänzenden Förderung und Betreuung von Kindern im Grundschulalter vor und nach dem Unterricht“ (EföB), also im Hort. „Familien können hier verschiedene, allerdings kostenpflichtige Betreuungsmodule zusätzlich erwerben und die schulischen Angebote nutzen“, sagt sie. Auch das entlaste Berufstätige mit Kindern. Dafür wurden im Vorjahr mehr als 7.500 Verträge geschlossen.

Seit November 2015 existiert ein Familienbüro, das Eltern in allen finanziellen und erzieherischen Fragen berät, bei der Kitaplatz-Suche hilft, durch die Ämter lotst. Es öffnet wöchentlich dreimal. Zu jeder Sprechstunden werden zwischen 80 bis 120 Bürgeranliegen bearbeitet. Auch Ulrike Kipf vom Bezirkselternausschuss (BEA) Schule betont die Vielzahl an Angeboten, wünscht sich aber mehr Hortplätze. „Häufig sind die Gruppen viel zu groß und die Räume zu klein, muss ein Erzieher zu viele Kinder betreuen“, sagt sie. Auch wünschte sie sich eine bessere Informationspolitik seitens des Bezirks und eine stärkere Einbeziehung der Interessenvertretungen von Eltern.

Jürgen Zweigert, Bilder: Thinkstock/iStock/Artfoliophoto, Thinkstock/iStock/Lordn

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