Streit um Menschen Museum geht weiter

„Menschen Museum“ darf weiterhin offen bleiben.

Dass die geplante Eröffnung seines „Körperwelten-Museums“ im Jahr 2014 nicht nur auf Zuspruch treffen würde, dürfte Dr. Gunther von Hagens geahnt haben. Mit dem folgenden Rechtsstreit mit dem Bezirksamt aber hat wohl selbst der Plastinator nicht gerechnet. Selbst jetzt, fast drei Jahre nach der Eröffnung, gehen sich die Familie des Gründers und das Bezirksamt weiter juristisch an.

Erst im vergangenen Winter forderte das Amt erneut die Schließung des Museums. Das Gericht aber urteilte, dass das Museum die plastinierten Leichen weiter zeigen dürfe. Voraussetzung sei der Nachweis der „ausreichenden Einwilligungserklärung“ der Körperspender. Diesem kamen die Museumsleiter nach. Ein Ende der Streitigkeiten scheint aber trotzdem nicht in Sicht. „Wir hoffen, dass es bald vorbei ist. Immerhin haben wir sämtliche formalen Anforderungen des Bezirks erfüllt, “ so Museum-Geschäftsführer Rurik von Hagens.

Gunther von Hagens und seine Frau Angelina Whalley hoffen auf ein Ende des Rechtsstreits

400.000 Besucher kamen
bereits in das Menschen Museum

Das Bezirksamt forderte nun nach dem neuesten Gerichtsurteil die Verhüllung von zehn Körperplastinaten, bei denen ihnen es an konkreter Zuweisbarkeit zu Spendern mangelt. Rurik von Hagens sieht die Forderung als weiteren Versuch die Schließung herbeizuführen, zeigt sich aber dennoch kompromissbereit: „Sollte das Oberverwaltungsgericht die fraglichen Plastinate beanstanden, weil im Einzelfall eine 1:1 Zuordnung der Körperspender zu bestimmten Exponaten nicht möglich ist, werden wir diese selbstverständlich ersetzen. Von unserer Seite gab es mehrmals den Versuch mit dem Bezirksamt eine Einigung zu erzielen und zu erfahren, welche Formalien wir erfüllen sollen. Bisher ohne Erfolg. Das Bezirksamt geht vielmehr in eine fundamentale Opposition. Alles, was wir vorlegen, wird in Frage gestellt.“ Rurik von Hagens und Angelina Whalley pochen auf die Wissenschaftsfreiheit und hoffen, dass es in Zukunft zu einem ehrlichen Dialog zwischen ihnen und dem Bezirksamt Mitte kommt.

Jahrelanger Rechtsstreit

Los ging alles 2001 mit einer kontrovers diskutierten Körperwelten-Ausstellung, die bis 2011 in der Hauptstadt zu sehen war. Knapp drei Jahre später wollten Gunther von Hagens und seine Frau Angelina Whalley dann das „Menschen Museum“ eröffnen. Ähnlich wie bei den Körperwelten, werden auch hier echte menschliche Präparate ausgestellt, darunter auch einige Ganzkörperplastinate. Auch einzelne Organe, transparente Körperscheiben und Organkonfigurationen sind in dem Museum am Fernsehturm zu sehen. Das Bezirksamt ging bereits vor der eigentlichen geplanten Eröffnung gegen das Museum vor.

Trotz juristischer Niederlage in der ersten Instanz gab das Amt um den damaligen Bezirksbürgermeister Christian Hanke nicht auf und erließ eine „Untersagungsverfügung mit sofortiger Vollziehbarkeit“. Doch das Gericht erlaubte die Ausstellung, die schließlich am 18. Februar 2015 ihre Türen für Besucher aus Berlin und aller Welt öffnete. In den vergangenen Jahren folgten weitere Versuche des Bezirksamtes das Menschen Museum mit rund 200 anatomischen Exponaten schließen zu lassen – bisher ohne Erfolg. Weltweit haben rund 43 Millionen Menschen die Körperwelten Ausstellungen besucht. Das Menschen Museum empfing bisher bereits mehr als 400.000 Besucher am Berliner Fernsehturm.

Katja Reichgardt, Bilder: Dirk Lässig; Menschen Museum

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