Spatenstich für neuen Besuchertunnel

Zeitgeschichte Berliner Unterwelten e. V. gewährt erstmals Einblick in Fluchttunnel.

28 Jahre teilte die Mauer das Land in DDR und BRD. Vor allem in Berlin gehörte der Blick auf Todesstreifen und Grenzsoldaten zum Alltag. Lange Zeit galt Berlin auch als letztes Schlupfloch für alle, die dem Leben in der DDR entfliehen wollten. Zwischen 1949 und 1961 waren es immerhin drei Millionen Menschen, die dem Osten den Rücken kehrten. Vielen Mauerflüchtlingen kostete ihr Freiheitswunsch das Leben. Wie einfallsreich Ost-Berliner bei ihren Fluchtversuchen sein mussten, zeigen auch die vielen Geschichten von Tunnelbauern.

Einer der letzten Fluchttunnel will nun der Berliner Unterwelten e.V. erlebbar machen. Vergangenen Montag erfolgte der erste Spatenstich für das neue Projekt des Vereins. Im Sommer 2018 soll das Führungsprogramm des Berliner Unterwelten e.V. dann um eine Attraktion reicher sein. Teilnehmer der Tour „M – Mauerdurchbrüche“ werden in sieben Metern Tiefe durch einen 2,05 Meter hohen und rund 30 Meter langen Besuchertunnel aus vorgefertigten Betonsegmenten an der Bernauer Straße laufen. Dieser wird einen historischen Fluchttunnel aus dem Jahr 1971 kreuzen.

Erster sichtbarer Fluchttunnel

Über die ehemalige Oswald-Berliner-Brauerei geht es in den Tunnel

Erstmals wird dadurch einer der vielen erhaltenen Fluchttunnel Berlins sichtbar gemacht. Dass sich der Tunnel an der Bernauer Straße befindet, ist kein Zufall. Hier, wo Wedding und Mitte ineinander übergehen, stand bis 1989 die Berliner Mauer. Fluchtwillige aus dem Osten und Fluchthelfer aus dem westlichen Teil der Stadt versuchten immer wieder gemeinsam Tunnel zu graben, durch die DDR-Bürger in die Freiheit gelangen sollten. Dabei waren die Stasi und Grenzsoldaten früh auf die unterirdischen Fluchtwege vorbereitet und wandten ab Ende der 60er-Jahre spezielle Tunnelortungssysteme an, um potenzielle Fluchten zu verhindern.

Auch der künftig sichtbare Tunnel wurde 1972 verraten, entdeckt und schließlich im Februar 1971 im Todesstreifen vom VEB Spezialtiefbau aufgegraben und größtenteils verfüllt. Bei der Präsentation des neuen Tunnels waren auch zwei dabei, die den Tunnelbau damals mitgeplant haben: Hasso Henschel und Ulrich Pfeifer. Von der Westseite der Bernauer Straße sollte der Tunnel bis in ein Gebäude auf der Ostseite reichen, nur wenige Meter fehlten am Ende bis zum entscheidenden Durchbruch in die Freiheit.

Fluchthilfe aus dem Westen

„Ich dachte damals, jetzt hat ja lange keiner mehr einen Tunnel gebaut und die rechnen nicht damit, dass das nochmal gemacht wird“, so Initiator Hasso Henschel. Als der Tunnel entdeckt und zugeschüttet wurde, beobachteten sie das Geschehen von einem Podest auf der Westseite. Dass der Stasi das nicht entging, erfuhren die beiden erste vor wenigen Jahren, als sie in alten Stasi-Akten Bilder von sich entdeckten.

Der Besuchertunnel ist also auch ein wichtiges Stück Zeitgeschichte. Auch der Vorstandsvorsitzende des Berliner Unterwelten e.V., Dietmar Arnold, weiß um die Besonderheit des neuen Projekts: „Mit der Fertigstellung des Besuchertunnels findet unser Informationsangebot zu den „Mauerdurchbrüchen“ eine einmalige Ergänzung. Wir sind dann die einzigen, die ihren Gästen einen echten Fluchttunnel präsentieren können.“

Katja Reichgardt, Bilder: Katja Reichgardt

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