Streit um Zukunft der East Side Gallery

Zukunft der East Side Gallery spaltet die Akteure.

Die East Side Gallery ist wieder ein Streitthema

Was passiert mit der West-Seite der East Side Gallery? Ideen gibt es viele, Ansprüche auf Mitsprache mindestens genauso. Geht es nach Bezirk und Senat, wird wohl die Stiftung Berliner Mauer sie verwalten. Wie ein Hearing des Bezirks zum Thema im FHXB-Museum zeigte, kommt dieser Plan bei vielen  Akteuren nicht gut an.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sieht sich außerstande, die East Side Gallery dauerhaft angemessen zu verwalten oder gar den Standort weiterzuentwickeln. Die Ressourcen sind  zu knapp. Der Senat scheint die Verantwortung ebenfalls nicht selbst übernehmen zu wollen. Beide liebäugeln deshalb mit der Stiftung Berliner Mauer. Die Gespräche zur Übertragung der Gallery in deren Eigentum laufen, und auch in den Haushaltsplanungen sind schon Mittel für die Übertragung vorgesehen. Bis es einen offiziellen Beschluss gibt, soll mit Veranstaltungen wie dem Hearing ein Konzept für die Nutzung des Ortes angestoßen werden.

Strenger Denkmal-Begriff

Ein solches Konzept würde aber wohl wenig bringen, sollte die Stiftung Berliner Mauer in Verantwortung für die Gallery treten. Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung, ließ beim Hearing nicht den geringsten Zweifel daran: Wenn sie die Verantwortung übernimmt, hat sie das letzte Wort, was mit der Gallery und vor allem der Westseite der Mauer passiert – nämlich möglichst wenig. Die Stiftung legt den Denkmal-Gedanken sehr eng aus, was für Klausmeier bedeutet: Die Westseite bleibt weiß. Sogar ein Budget, um Graffiti zweimal wöchentlich zu überstreichen, ist eingeplant – 30.000 Euro pro Jahr. Kunstausstellungen, bei denen Plakate an die Mauer geklebt werden, wird es nicht mehr geben. Ob und welche Kunstaktionen oder gar Veranstaltungen dort stattfinden können, entscheidet  die Stiftung. „Das könnten wir  anders auch gar nicht stemmen“, stellte er klar.

Heftige Kritik

Für andere Akteure war das mindestens ein Dämpfer, für Alexander Arnold von der Gemeinschaft der Verfolgten des DDR-Regimes ein regelrechter Affront, denn die weiße Farbe sei dazu da gewesen, Flüchtende besser sehen und  erschießen zu können. Dies erhalten zu wollen, sei unverantwortlich gegenüber den Opfern. Stattdessen forderte er inhaltliche Auseinandersetzungen mit der Geschichte der DDR-Unterdrückung an der  Mauer. Dann waren da die Künstler, für welche die Gallery ein Ort sein soll, der die Freude der Wiedervereinigung aufgreift und auch westseitig der Kunst Raum gibt. Dass daraus eher nichts wird, daran ließ Stiftungs-Direktor Klausmeier keine Zweifel: „Ein Ort für Wechselausstellungen ist die East Side Gallery nicht.“ Wenn, dann werde es nur eine gewisse Anzahl pro Jahr geben, dann auch nur solche, die nicht an die Bausubstanz gehen und den Denkmalgedanken respektieren. Welche das sind, bestimmt die Stiftung.  Ob das Eigentum an der Gallery tatsächlich an sie übergeht, wird sich bald klären.  Voraussichtlich ab  Ende Dezember kann die Übertragung eingeleitet werden. Dann muss der Rat der Bürgermeister noch angehört werden.

Hotel-Pläne

Einigkeit herrschte beim Hearing  bei der Frage der weiteren Bebauung der Fläche zwischen Mauer und Ufer, dem ehemaligen Todesstreifen. Für einen Hotel- und Wohnkomplex auf 120 Metern Länge gibt es  Baurecht. Ein Widerruf oder gar die von Bezirksstadtrat Florian Schmidt ins Spiel gebrachte Enteignung und Entschädigung dürfte angesichts der enormen Kosten, die das verursachen würde, eine eher unrealistische Option bleiben.

Autor und Bilder:  Oliver Schlappat

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