Auf Jobtour durch den Bezirk

Alleinerziehende: Marzahn-Hellersdorfer Netzwerk motiviert mit vielfältigen Angeboten Mütter und Väter, ihren Alltag zu meistern.

Berlin ist die Hauptstadt der Alleinerziehenden: Allein in Marzahn-Hellersdorf leben derzeit knapp 10.000 Mütter und Väter – das sind 37 Prozent aller Haushalte -, die allein für Kind und Kegel aufkommen müssen. Häufig werden sie stigmatisiert; Begriffe wie „Armut“ und „Überforderung“ machen schnell die Runde. Richtig ist, dass mehr als 1.800 von ihnen arbeitslos sind. Und fast die Hälfte aller Alleinerziehenden in diesem Megabezirk braucht finanzielle Unterstützung, um die eigene Existenz abzusichern; sie sind Hartz IV-Empfänger. Falsch ist jedoch die Annahme, sie wären nicht motiviert und hätten sich längst mit der „Stütze“ abgefunden.

Volle Unterstützung

„Völlig falsch“, bekräftigt Anett Dubsky, Chefin des „Netzwerk Alleinerziehende Marzahn-Hellersdorf“. „Wir erleben immer wieder hoch motivierte allein erziehende Mütter und Väter, die ihren Alltag selbst bestreiten und ausfüllen möchten. Dabei unterstützen wir sie, damit sie gleichberechtigt, gestärkt und kompetent am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.“ Keine leeren Worte, sondern  mit konkreten Taten untersetzt. Denn das Netzwerk, vor fünf Jahren gegründet, bringt sich gemeinsam mit vielen Partnern kräftig in das Leben im größten Plattenbau-Bezirk Deutschlands ein. Es organisiert Treffpunkte Alleinerziehender, betreibt mehrere Infopoints, berät in Schul- und Behördenfragen, hilft bei der Kitaplatzuche. Seine Aktivitäten sorgen mit für eine stabile Balance – trotz oft widriger Umstände in Kiezen, die immer noch von hoher Arbeitslosigkeit und prekären Verhältnissen geprägt sind.

Lösungern suchen

Doch mit den Jahren hat sich vieles normalisiert; mit den Bäumen ist die Lebensqualität gewachsen, die Platten sind größtenteils saniert, es ist grün und bunt, multi-kulti an vielen Ecken. „Aber am wichtigsten ist die Arbeit, um sein Leben aus eigener Kraft führen zu können“, sagt Dubsky. „Deshalb helfen wir Alleinerziehenden, nach einer Auszeit wieder in Arbeit, in Ausbildung oder Schule einzusteigen. Und suchen mit ihnen nach Lösungen für die flexible Betreuung ihrer Kinder, damit sie diese Chancen ungestörter wahrnehmen können.“

Bewerbungsreise starten

Ein wichtiges Instrument dafür sind die Arbeits- und Ausbildungstouren, die das Netzwerk seit einigen Jahren organisiert. Dubsky: „Dabei bringen wir Jobsuchende mit potenziellen bezirklichen Arbeitgebern in Kontakt, sorgen für Austausch und Kennenlernen. So mancher hat nach der Tour einen Arbeitsvertrag so gut wie in der Tasche.“ Bislang gab es 14 solcher Fahrten, stark nachgefragt, stets ausgebucht. Mehr als 200 Alleinerziehende nahmen teil; etwa 40 von ihnen konnten in Jobs, Ausbildung oder Praktika vermittelt werden. Am 12. Oktober startet die letzte Tour in diesem Jahr; Stationen sind das Kursana Pflegedomizil, der JobPoint, die Bebra Service GmbH. „Aber Schluss ist damit nicht, 2018 gehen sie weiter“, verspricht Dubsky. Dieses Angebot finanziert das Bezirksamt; das Netzwerk insgesamt wird vom Arbeits-Senat gefördert.

Vorbild Marzahn

Noch stehen die Marzahn-Hellersdorfer Netzwerker in Berlin ziemlich einsam da. Aber das ändert sich: Nach ihrem Vorbild sollen sich solche Strukturen auch in anderen Bezirken etablieren. „Da wird auf Landesebene etwas kommen“, so Barbara König (SPD), Staatssekretärin im Senat für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Vorausgesetzt, der Haushalt gibt die Mittel dafür her. Hoffen wir, dass es so sein wird – die Hauptstadt der Alleinerziehenden braucht dringend berlinweit agierende Netzwerke.

Jürgen Zweigert, Bild: Thinkstock / istock / kerkez

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