Fünf Monate richtig einigeln

Natur: Wenn der Winter und der Winterschlaf vor der Tür stehen, wollen viele Menschen den Igeln helfen.

Um durchschnittlich 76 Prozent ist die Masse der Insekten in Deutschland in den 30 letzten Jahren geschrumpft. Was für sich genommen schon eine dramatische Entwicklung ist, bekommen jetzt auch die Igel zu spüren. Denn die ernähren sich hauptsächlich von Insekten und müssen sich in diesen Tagen einen dicken Wanst für den Winterschlaf anfuttern. Stattdessen fressen sie vermehrt Schnecken und Würmer. Und das ist nicht gesund, denn die übertragen gefährliche Innenparasiten.  Dafür kann der Mensch einiges tun, um die Lebens- und Überwinterungsbedingungen der possierlichen Tiere mit den bis zu 7.000 Stacheln zu verbessern. Sonst droht auch noch ein Igelsterben.

Geschütztes Wildtier

Nicht ohne Grund stehen die Kleinsäuger seit Jahren unter Naturschutz, dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. In Berlin blüht sonst ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Trotz zahlreicher Gefahren und Eingriffe in ihren Lebensraum sind Igel – noch – nicht in ihrem Bestand gefährdet. Den Tag verbringen Igel in wechselnden Tagesnestern, zum Beispiel unter Sträuchern oder in  Laubhaufen. Nachts durchstreifen sie große Gebiete zur Nahrungssuche, um sich eine Fettschicht anzufressen, damit sie den Winter im frostsicheren Winternest verschlafen können.

„Überwintern Sie keine gesunden, gut genährten Igel im Haus. Die finden sich draußen bestens zurecht, auch im Winter.“

Gabriele Gaede, Igelschutz Berlin e.V.

Jungigel, die im November oft nicht mehr als 500 Gramm wiegen, gelten als hilfsbedürftig, dürfen aufgepäppelt werden und in Ausnahmefällen auch beim Menschen überwintern. Dazu baut man ihnen am besten ein „Igelhaus“ oder Igelgehege. Igel sind Einzelgänger. Jeder Igel braucht also ein eigenes Gehege. Zu diesem Zweck stellt man sein Gehege in ein kaltes Zimmer, auf den Balkon oder baut ein Freigehege im Garten. Kellerräume sind meist ungeeignet, weil sie zu warm sind. Die Umgebungstemperatur kann der Außentemperatur entsprechen, sollte jedoch 6°C nicht übersteigen. Bei höheren Temperaturen fällt der Igel nur in einen kräftezehrenden „Dämmerschlaf“, in dem er weder fressen noch Winterschlaf halten kann.

Richtige Ernährung

Zufüttern kann man zum Beispiel mit Katzenfutter, Eiern, Geflügel- oder Rinderfleisch, niemals aber Milch: Auch Igel haben eine Lactoseintoleranz. An Obst und Gemüse haben Igel kein Interesse. Holen Sie sich unbedingt Rat bei Experten, wenn Sie einen hilfsbedürftigen Igel finden. Eine richtige Adresse sind immer die Igelberatungsstellen: „Hilfsbedürftige Igelbabys einige Zeit beobachten, ob die Mutter wiederkommt. Wenn nicht, das Igelbaby aufnehmen, testen, ob es unterkühlt ist, in einem Handtuch eingewickelt in einen Karton legen und mit lauwarmem Fencheltee füttern.“ In Berlin und Brandenburg werden jährlich 2.000 kranke  oder untergewichtige Tiere behandelt und betreut. Im Frühjahr müssen die Igel  wieder ausgewildert werden.

Ein idealer Platz fürs Auswildern sind Friedhöfe. Dort gibt es weder Autos, noch Hunde. Denn der Hauptfeind des Igels ist das Auto. Deshalb sollte man nachts im Siedlungsbereich oder auch in der Nähe von Gärten besonders aufmerksam fahren.

Todesfalle Müllsack

Eine weitere Falle für Igel ist der gelbe Sack: Essensreste aller Art und Büchsen von Katzen- oder Hundefutter ziehen Igel magisch an. Mit ihren Krallen verschaffen sie sich  Zugang und können sich in der Plastikfolie verheddern oder bekommen den Kopf wegen ihrer Stacheln nicht mehr aus der Blechdose oder dem Plastikbecher heraus. Am Ende ersticken oder verhungern sie.  Also Müllsäcke erst am Morgen des Abholtages herausholen. Dann haben die Igel keine Gelegenheit, sie zu plündern.

Igel-Hotline: 0180-5555-9551. Mehr Infos gibt es beim Igelschutz Berlin e.V..

Markus Engelhardt, Bild: imago/Blickwinkel, Video: Almut Engelhardt

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