Die Krisenwohnung muss schließen

Bald keine Notunterkunft für Drogenabhängige mehr in Tiergarten.

Seit über 30 Jahren ist die Krisenwohnung an der Müller-Breslau-Straße ein Zufluchtsort für drogenabhängige Obdachlose. Nun sucht sie selbst nach neuen Räumen, um ihre, in Berlin einmalige Arbeit, fortzuführen. 1984 gegründet, hat sich die Einrichtung des Vereins Notdienst Berlin schnell zu einem der Anlaufpunkte für Obdachlose entwickelt, die nicht nur gegen die Armut, sondern auch mit ihrer Drogensucht zu kämpfen haben.

15 Schlafplätze stehen den Hilfesuchenden zur Verfügung – frische Bettwäsche, Möbel und beheizte Räume inklusive. Einmal in der Woche kümmert sich eine Krankenschwester in der Notunterkunft um die medizinische Untersuchung der Teilzeit-Bewohner. Die bleiben mal eine Nacht, mal mehrere Wochen. Denn, und das ist das Besondere an der Einrichtung: Die Männer und Frauen, die hierher kommen, können bis zu 28 Tagen in den Zimmern wohnen.

Sorgenfreier

Eine warme Mahlzeit, Duschen und gemütliche Betten stehen Drogenabhängigen zur Verfügung

Genug Zeit, anzukommen und sich auf Entziehungskuren oder Therapien vorzubereiten. „Für viele unserer Klienten ist es eine enorme Erleichterung sich für einige Tage oder gar Wochen keine Sorgen über den nächsten Schlafplatz oder ein Dach über den Kopf machen zu müssen“, so Notdienst-Sprecherin Heike Krause. Jeden Abend kommen zehn bis 15 Männer und Frauen in die Einrichtung, viele von ihnen sind seit Jahren drogenabhängig. Und sie nutzen das Angebot des Notdienstes, kommen immer wieder, um hier eine Nacht im Warmen zu verbringen. In der Notübernachtung finden Sie Duschen, Toiletten, sogar eine Waschmaschine und einen Trockner. Drogen jeder Art sind hier hingegen verboten, auch Alkohol darf in den Räumen nicht konsumiert werden.

Aus für Notunterkunft

Bald aber ist es vorbei mit der Einrichtung am TU-Campus. Die Hochschule plant seit vielen Jahren das Gelände für einen Neubau des Fachbereichs Mathematik zu nutzen. Im kommenden Jahr soll es nun soweit sein. Die Behörden wissen ebenfalls seit Jahren von diesem Vorhaben, boten immer wieder Ausweichquartiere an, darunter zwei Gebäude in der Lehrter und in der Rathenower Straße. Wenig später aber war klar, dass diese Häuser schon anderweitig verplant waren oder ein Umbau zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte.

Im Sommer erhielten die Notdienst-Betreiber schließlich die Kündigung. Noch bis Ende Dezember dürfen sie in den Räumlichkeiten bleiben. Was danach kommt, wissen sie aber nicht. „Nach wie vor haben wir keine neue Unterkunft gefunden. Die Behördenmühlen mahlen einfach zu langsam, als dass es realistisch wäre zum Ende des Jahres etwas Neues zu haben.“ Ob der fehlenden Alternativen, zeigen sich nicht nur die Betreiber der Einrichtung enttäuscht.

Keine Alternative

Auch für die Nutzer der Notübernachtung ist das nahende Ende ein harter Schlag, ist die Krisenwohnung doch die Einzige ihrer Art in ganz Berlin. Heike Krause und ihre Kollegen hoffen jetzt darauf, dass der Senat das Thema endlich ernster nimmt und für einen alternativen Standort und sowie allgemein mehr Übernachtungsmöglichkeiten speziell für Drogenabhängige sorgt. Sie wollen weiter kämpfen: „Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber unseren Klienten sehr ernst und werden natürlich bis zum Ende ganz normal weiterarbeiten.“ Die Einrichtung hat täglich von 20.30 bis 07.45 Uhr geöffnet. An Wochenenden und Feiertagen werden die Zeiten auf 12 Uhr ausgedehnt.

Katja Reichgardt, Bild: imago/50276025/, Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige Berlin e.V. 

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