Ist die „Schilleria“ bald heimatlos?

Mietvertrag für Mädchenzentrum gekündigt / Suche nach neuem Standort problematisch.

Mädchen und jungen Frauen einen selbstbestimmten Weg ins Leben weisen: Mit diesem Ziel hat sich die Bildungs- und Freizeiteinrichtung „Schilleria“  einen Namen gemacht. Doch nun ist die Anlaufstelle in der Weisestraße akut in  ihrer Existenz bedroht. Der Hauseigentümer hat den Mietvertrag zum Jahresende gekündigt. Ein neuer Mietvertrag sei in Aussicht gestellt, ein Vertragsvorschlag bislang aber noch nicht eingereicht worden, heißt es vom Träger. Der Mädchen- und Frauenverein MaDonna Mädchenkult.Ur e.V. geht von einer massiven Erhöhung, wenn nicht gar Verdopplung des Mietpreises aus. „Eine solche Mieterhöhung können wir nicht aus eigener Kraft stemmen“, teilt der Verein mit. „Da die Einrichtung von der Regelfinanzierung des Jugendamtes abhängig ist, sind wir nun auf finanzielle Unterstützung seitens der Politik angewiesen.“

Kürzlich traf sich der Jugendhilfeausschuss in der „Schilleria“, um auszuloten, ob und wie der Bezirk helfen kann. Die Möglichkeiten, die bezirklichen Zuwendungen  im kommenden Jahr zu erhöhen, hält Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) für begrenzt. In diesem Jahr unterstützt der Bezirk das Mädchencafé mit 16.100 Euro für Miet- und Mietnebenkosten. „Der Kiez würde mit der Schließung der ,Schilleria’ eine etablierte, für die Mädchen sehr wichtige Einrichtung verlieren“, so Liecke. „Durch die Lage im Herzen des Kiezes hat das Haus einen hohen Bekanntheitsgrad, eine hohe Akzeptanz und Relevanz. Die Kooperationen mit Quartiersmanagement, Jugendamt und Schulen ist vorbildlich.“ Lieckes Abteilung habe mit der Leitung der Einrichtung Ausweichquartiere erörtert, etwa in der Jugendfreizeiteinrichtung Lichtenrader Straße, im  Familienzentrum Karlsgartenstraße, im Kindl-Boulevard oder im „Bunker“ am Boddinplatz. Die Räume im Familienzentrum hält Liecke für die einzig realistische, womöglich schnell realisierbare Alternative.

Gewachsene Beziehungen

Für das „Schilleria“-Team kommt ein Umzug allerdings  kaum infrage. Das Haus werde gerade mitten im Schillerkiez gebraucht, zumal es dort gut sichtbar und für die Mädchen – einige kämen seit 15 Jahren –  schnell zu Fuß zu erreichen sei. An einem anderen Standort ließen sich diese gewachsenen Beziehungen schwerlich am Leben erhalten.

Auch für Jugendhilfe-Aussschussmitglied Christian Hoffmann hat der Erhalt des jetzigen Treffpunktes Vorrang vor Ausweichlösungen.  Der Grünen-Politiker hofft, dass durch die Gespräche des Bezirksamtes mit dem Vermieter ein Weiterbetrieb zu akzeptablen Konditionen möglich sein wird: „Die Situation verdeutlicht, dass im Bereich des Gewerbemietrechts dringend Regulierungen auf den Weg gebracht werden müssen. Wir brauchen eine ausreichende soziale Infrastruktur und gute Angebote für Kinder und Jugendliche. Das Geld muss ihnen zugutekommen und darf nicht von überzogenen Mietvorstellungen verschlungen werden.“ Die „Schilleria“ bietet Empowerment- und Freizeiträume für junge Frauen und Mädchen ab sieben Jahren. Mädchen können unter sich sein, entspannen und bekommen bei Bedarf Hilfe und Unterstützung. Der Mädchentreff ist seit 2002 im Schillerkiez ansässig.   Schwerpunkte sind die kulturelle sowie außerschulische Bildung, Berufsorientierung, Antidiskriminierungs- und Empowermentarbeit.

Nils Michaelis, Billd: imago/Schöning 

WEITERSAGEN

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen