Wenn diese Stoffe reden könnten…

In diesem Fundus wird die Vergangenheit wieder lebendig.

Nur wenige hundert Meter vom geschäftigen Kurfürstendamm, hinter den Mauern eines großen Backsteinbaus, erstreckt sich auf 8.000 Quadratmetern ein Paradies für Mode- und Filmfans. Im Fundus der Theaterkunst GmbH in der Eisenzahnstraße werden Kostümbildner und Filmschaffende seit mehr als 100 Jahren fündig. Wandelt man durch die sorgsam nach Jahrzehnten und Stilepochen, Farben und Marken sortierten Gänge, erblickt man schon mal das ein oder andere bekannte Filmkostüm. Plakate an den Wänden zeigen, in welchen Produktionen die mehr als 8.400 Kleider oder 4.500 Anzüge bereits getragen worden.

Von nationalen und internationalen Klassikern wie Fritz Langs „Metropolis“ bis hin zu neuen deutschen Film- und Serienproduktionen wie dem aktuell Rekorde brechenden 20er-Jahre-Feuerwerk „Babylon Berlin“ – all diese Produktionen wären ohne den Kostümfundus undenkbar. Hier fanden Kostümbildner die authentischen Anzüge und Uniformen für Leonardo DiCaprios Rolle in „Shutter Island“, die bunten Petticoats für die Mini-Serie „Ku’damm 56“ und die Outfits für den Oscar-nominierten „Toni Erdmann“.

Die Geschichte der heute geschichtsträchtigen Kleider begann bereits im Jahr 1907. Damals öffnete Theaterkunst als Kostümhaus für Theater, Oper und Revue seine Tore in der Oranienburger Straße. Anfangs versorgte das Unternehmen noch vorrangig die Berliner Bühnen mit detailverliebten Kostümen, mit dem Aufkommen der ersten Filme, verlegte das Kostümhaus seinen Schwerpunkt schließlich aber auf die Ausstattung großer nationaler und internationaler Filmproduktionen. Schon Marlene Dietrich und Henny Porten ließen sich hier maßgenau einkleiden. In den Hochzeiten unterhielt die Theaterkunst GmbH Dependancen in New York, Amsterdam, London, Kopenhagen und Stockholm, beschäftigt rund 300 Mitarbeiter.

Während des Zweiten Weltkriegs wird der Fundus dann erheblich beschädigt, wechselt in den 50er Jahren nach Wilmersdorf. Heute zeugen die in den vergangenen 110 Jahren zusammengesammelten Schmuckstücke, Kostüme und Hüte von der langen Historie des Hauses. Im Keller finden Besucher noch Rüstungen und Waffen, die unter anderem im epischen „Ben Hur“-Film aus dem Jahr 1925 zum Einsatz kamen. Bei den Anzügen und Kleidern fallen immer wieder bekannte Markennamen ins Auge.

„Wir legen sehr viel Wert auf die Qualität der Kostüme. Dazu gehört natürlich auch die regelmäßige Reinigung der Kleidungsstücke, “ erklärt Geschäftsführerin Susanne Franke. Der Fundus, bestehend aus 10 Millionen Stücken, darunter auch unzählige Tücher, Handschuhe, Broschen und Hüte aus verschiedenen Jahrzehnten, sei sortiert wie ein Kaufhaus. 28 Mitarbeiter kümmern sich heute auf drei Etagen darum, dass jedes Teil sortiert und gereinigt an Ort und Stelle hängt. „Jeder, der Angestellten verfügt über eine gute textile Ausbildung. Und wir alle lieben unsere Arbeit hier.“ Das spürt man im Fundus tatsächlich in jeder einzelnen Faser.

Katja Reichgardt, Bilder: Theaterkunst Gmbh

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