Ärger statt Begegnung in der Maaßenstraße

Begegnungszone Maaßenstraße bleibt – trotz viel Kritik..

Die Maaßenstraße brummt: Viel international bunt gemischtes Publikum flaniert auf den Gehwegen, die Cafés sind gut besucht, der Wochenmarkt auf dem Winterfeldtplatz lockt Käufer an. Die Maaßenstraße leidet auch: Auf der verengten Fahrbahn quälen sich die Autos mit Tempo 20 entlang; haltende Lieferwagen erschweren das Durchkommen. Dazwischen Radler und Fußgänger in oft gefährlichen Situationen. Daneben, durch kleine, bunt bemalte Betonwürfel von der Fahrbahn getrennt, die breite Aufenthaltszone mit ihren stählernen, unbequemen Bänken. Trotz schönsten Sonnenscheins verweilt hier kaum jemand. Viel Grau, kein Grün, nichts fürs Auge. Stattdessen ein oft lärmendes Verkehrschaos.

In der Begegnungszone wird es oft sehr eng

Es ist längst offensichtlich: Das rund 835.000 Euro teure, vom Senat finanzierte Modellprojekt „Begegnungszone Maaßenstraße“ ist aus der Sicht von vielen wohl gescheitert. Mit der erneuten Aufnahme ins „Schwarzbuch“ des Steuerzahlerbundes sehen sich die  Skeptiker bestätigt.

Ein schöner Traum

Der Plan war eine Straße, in der alle Verkehrsteilnehmer verträglich miteinander auskommen, Fußgänger sich gern aufhalten, Händler und Gastronomen ihr Auskommen haben. Ein Ort, an dem man sich im geselligen Miteinander gern begegnet. Der Bezirk war stolz, mit dem Umbau der Straße hier die erste „Begegnungszone“ Berlins zu etablieren. Zwei Jahre später gibt es mehr Ärger statt der erhofften Begegnungen. Gastronomen klagen über zu geringe Außenplätze, kritisieren die Platzverschwendung auf der größtenteils ungenutzten Aufenthaltszone. Wie auch die Händler beklagen sie Umsatzeinbußen und fehlende Parkplätze, das sei geschäftsschädigend. Anwohner beschweren sich über Müll, nächtliche Saufgelage, leiden unter dem Verkehrschaos. Etliche fordern einen Rückbau ihrer Straße.

Verbesserungen geplant

„Einen Rückbau wird es nicht geben“, stellt Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Grüne) hingegen klar. „Wir haben die verkehrlichen Ziele erreicht, auch die gestalterischen Kritikpunkte sind zu beheben. Die Begegnungszone hat den Verkehr deutlich verlangsamt, die Räder wurden vom Gehweg auf die Fahrbahn verlagert.“ Die Ausbreitung der Gastronomie zu Lasten des öffentlich nutzbaren Raums wurde gestoppt. Bezirksamt und Senat werden die Kritik an den Aufenthaltsflächen aufgreifen und ihre Ausgestaltung verbessern: „Vorgesehen ist 2018 ein Werkstattprozess mit Bürgerbeteiligung, dann die Feinplanung und 2019 wird es umgesetzt.“ Mit der im Umfeld geplanten Parkraumbewirtschaftung soll sich das ordnungswidrige Parken in der Maaßenstraße entspannen.

Offene Planungen

Im Vorfeld des Konzepts und nach Fertigstellung habe es kaum fundamentale Kritik, sondern eher viel Zuspruch und Dank gegeben. „Erst im Wahlkampf zur Berlin-Wahl 2016 wurde die Begegnungszone dann kritisiert“, sagt Heiß. Auf alle Fälle ist das „Projekt Maaßenstraße“ wohl vielen ein lehrreicher Feldversuch, wie man es nicht machen soll. So ist derzeit offen, wie es mit den anderen beiden geplanten „Begegnungszonen“ weiter geht: Planungen zur Bergmannstraße seien noch nicht abgeschlossen, das Vorhaben am Checkpoint Charlie werde momentan nicht weiterverfolgt, heißt es aus der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr.

Text & Bilder: Jürgen Zweigert

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