Hoffnung schützt vor Einbruch nicht

Die Tage werden kürzer, Einbrecher haben Hochsaison. Der jährliche Schaden in Deutschland beträgt rund 400 Millionen Euro.

Kann jemand der Zahl von 11.507 Einbrüchen 2016 in der Hauptstadt irgendetwas Positives abgewinnen? Immerhin sind das gerundet 32 Einbrüche täglich. Mehr als jede Stunde einer. Erschreckend, und für die meisten Einbruchsopfer ein traumatisches Erlebnis. Hat sich ein wildfremder Mensch Zugang zum intimsten Bereich, den eigenen vier Wänden, verschafft und dort sein Unwesen getrieben, Hab und Gut durchwühlt, geraubt und oft beschädigt, so hinterlässt das auch Spuren in der Seele der Opfer.

Jedes achte Einbruchsopfer zieht nach einem Einbruch sogar um, weil es sich nicht mehr sicher fühlt. Sind die materiellen Schäden durch die Versicherungen bald reguliert, so haben die Opfer oft noch jahrelang mit den Folgen zu kämpfen. Am häufigsten betroffen von Einbrüchen in Wohnungen waren im letzten Jahr Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf. Die meisten Einbrüche in Einfamilienhäuser und Villen erfolgten hingegen in Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf.

Bilanz 2016

Aber: 11.507 sind 308 Einbruchdiebstähle weniger als im Vorjahr, und 44 Prozent aller erfassten Einbruchsversuche blieben gar „erfolglos“.Der Grund: Die Berliner rüsten auf und investieren immer mehr in Sicherheit und Einbruchschutz. Es sei die höchste Abbruchquote seit Jahren, so die Berliner Polizei. Dabei reichen die Vorkehrungen gegen häuslichen Wohnungseinbruch vom kostenlosen Tipp bis zur sündhaft teuren Smart-Home-Überwachungsanlage – bedienbar natürlich über das Smartphone.

 

„Ein Drittel aller Einbrüche scheitert durch gut gesicherte Häuser und Wohnungen.“

Kriminalstatistik 2016

Ende Oktober traf sich die Branche zum „Tag des Einbruchschutzes“ im Polizeipräsidium Tempelhof, wo die Beratungsstelle Einbruchschutz und verschiedene Sicherheitsfirmen interessierte Berliner umfassend und kostenlos über die Absicherung von Haus, Wohnung und Gewerberäumen informierten.

Spezielle Türen

Für 1,79 Euro kann ein Warnaufkleber mit der Aufschrift „Dieses Haus ist alarmgesichert“ erstanden werden. Einen Fensteralarm gibt es in der einfachsten Ausfertigung schon für 2,50 Euro. Die Zeitschaltuhr, die Anwesenheit nur suggeriert, kostet knapp fünf Euro. Ein TV-Simulator ebenso. Fenstersicherungen sind ab etwa 20 Euro zu haben, eine Türgriff-Kette für die Tür im Baumarkt schon für 25 Euro. Sie bietet passablen Schutz, wenn man selbst noch in der Wohnung ist. Spezielle Eingangstüren als Einbruchschutz kosten schnell 3.000 Euro. Panzerriegel für die Tür sind ebenfalls nicht billig: Rund 400 Euro. Ein biometrisches Türschloss mit Fingerabdrucksensor ohne Schlüssel 360 Euro.

Günstige Smarthome-Alarmanlagen starten bei etwa 100 Euro und bieten Schutz auch von unterwegs – bei einem Einbruch wird der Bewohner automatisch angerufen. 4.500 Euro kostet die derzeit beste getestete Alarmanlage mit Smarthome-Funktionen: Neben dem vollständigen elektronischen Gebäudeschutz liefert sie Funktionen wie das Regeln der Heizung, des Lichts oder der Jalousien und meldet sich auf Wunsch, wenn die Tiefkühltruhe noch offen steht. Eines darf dabei aber nicht vergessen werden: Eine Alarmanlage kann nichts verhindern, sie kann nur etwas melden. Zunächst sollte immer der mechanische Grundschutz an Fenstern und Türen gegeben sein.

Zahlen & Fakten

Wenn die Tage kürzer werden… Winterzeit ist Einbruchzeit

2016 wurden in Deutschland 151.265 Einbruchsfälle in erfasst. Im Vorjahr waren es 167.136. Die Schadenssumme belief sich dabei auf 391,7 Millionen Euro. Auch das ist weniger als im Vorjahr: rund 50 Millionen Euro. Die Aufklärungsquote betrug 2016 rund 17 Prozent. Mehr als ein Drittel der Einbrüche sind gescheitert. Ein deutliches Indiz für verbesserte und wirksame Vorsichtsmaßnahmen. Unbezahlbar sind vor allem aufmerksame Nachbarn.

Und wie wird eingebrochen?

In Einfamilienhäuser meist über Fenstertüren oder Fenster. Mehrfamilienhäuser werden am häufigsten über Wohnungstüren und leicht erreichbare Fenster und Fenstertüren auf Balkonen unbefugt betreten.

Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2016

Gut beraten

Wer Wohnung oder Haus gegen Einbruch sicher sichern möchte, kann über die KfW-Bank Zuschüsse bereits ab einer Investitionssumme von 500 Euro beantragen. Ebenfalls beantragt werden kann eine kostenlose Einbruchschutzberatung bei der Polizei. Binnen zwei Wochen steht ein Termin für eine zweistündige Begutachtung. Gut zu wissen: Bei grober Fahrlässigkeit kann die Versicherung die Erstattungssumme kürzen. Das ist der Fall, wenn ein Fenster zum Beispiel nur angekippt war. So erfreulich die neuen Zahlen auch sind, sie sind mit Vorsicht zu genießen. Im Zehn-Jahres-Vergleich sind die Einbrüche noch immer auf sehr hohem Niveau. Weitere Informationen gibt es auf der Website von der Initiative K-einbruch oder unter (030) 46 64 98 99 99.

Markus Engelhardt, Bilder: Thinkstock/iStock/Rainer Fuhrmann/ 624125418, Thinkstock/iStock/CreativaImages/495056791

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