Kleine Würfel, große Wirkung

Wirtschaft: Neue Marke wirbt für Marzipan-Metropole  und einen guten Zweck.

Wenn von Marzipan-Hochburgen die Rede ist, denken viele an die altehrwürdige Hansestadt Lübeck.  Dabei ist die eigentliche Hauptstadt der Leckerei Berlin, genauer gesagt: Neukölln. Bis zu 20.000 Tonnen Rohmasse produzieren die Firmen Moll und Lemke pro Jahr. Nur weiß das fast niemand. Das will der Unternehmer Hamid Djadda ändern.

„Es kann doch nicht sein, dass es in Souvenirläden alle möglichen Erinnerungsstücke aus Berlin gibt, aber kein Marzipan“, sagt er. Ihm geht es nach eigenem Bekunden aber nicht nur darum, eine Marktlücke zu schließen. Djadda, der kürzlich die  Avus-Tribüne gekauft hat und die „Berliner Blechschild Manufaktur“ in Tempelhof betreibt, möchte obendrein auch etwas Gutes tun.

Nobler Standort

Gemeinsam mit dem Neuköllner Unternehmer Andreas Kämpf hat er die Firma Ohde gegründet. Unter diesem Namen vertreiben die Partner seit Kurzem Edelmarzipan-Pralinen. Kürzlich eröffneten sie ihre erste Pralinen-Boutique  an der Uhlandstraße in Charlottenburg, auch der Onlineshop kann bereits besucht werden. Filialen in der Fasanenstraße und im Bikini-Haus sollen in Kürze folgen. Auch ein Flagship-Store und eine gläserne Marzipanmanufaktur in Neukölln sind bereits in Planung.

„Wir haben uns für Charlottenburg entschieden, weil hier die Kaufkraft am höchsten ist“, erklärt Djadda die Standortwahl. Das Roh-Marzipan kommt allerdings aus Neukölln, nämlich von Moll. Die Pralinen, die mit einer Decke aus iranischen Salzkristallen und anderen extravaganten Verfeinerungen aufwarten, wurden von Sabine Dubenkropp, der deutschen Schokoladenmeisterin 2015/2016, kreiert und werden unter anderem vom „Atelier Cacao“ in Tempelhof produziert. Der Marzipananteil liege bei 62 Prozent. Damit wollen Djadda und Kämpf die süßen Konkurrenten abhängen.

Sprachförderung unterstützen

51 Prozent des Unternehmensgewinns soll künftig an die Ohde-Stiftung gehen, die sich derzeit noch in Gründung befindet. Die Stiftung will sich dafür einsetzen, die Anzahl der Schulabschlüsse in Neukölln zu erhöhen, etwa durch die Finanzierung zusätzlicher Sprachförderprojekte. Dafür wurde bereits  eine Kooperation mit der Kepler-Schule geschlossen. Wer helfen will, muss dafür nicht unbedingt tief in die Tasche greifen.

Für einen Euro gibt es die kleinste Version des „Rixdorfer Glückswürfels“. Laut Djadda gehen 30 Prozent des Preises an die besagte Stiftung. Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey sieht in der Geschäftsidee und der Kooperation mit Schulen eine wichtige Botschaft. „Neukölln steht nicht nur für Probleme, sondern kann auch süß, zart und wohlschmeckend sein“, sagte die SPD-Politikerin am Rande der Eröffnung des ersten Shops in Charlottenburg.

Nils Michaelis, Billd: Ohde

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