Kein Skandal, keine Antworten

Museum: Ausstellung über Drogendealer soll Diskussionen anregen.

Was war die Aufregung doch groß über die Ausstellung „Andere Heimaten“. Niemand kannte Inhalte. Alle wussten nur, dass Dealer laut der ersten Ankündigung „tapfer und unerschrocken“ ihrer Arbeit nachgehen. Was manche Medien als Glorifizierung und damit als Skandal identifizierten ist für den verantwortlichen Künstler ein großes Missverständnis. Die Empörung hätte ihn überrascht, sagte er. Wie er diese Worte denn nun richtig verstanden wissen will, konnte Scott Holmquist auch nicht erklären bei der Besichtigung, die das FHXB-Museum für die Medien organisiert hatte.

Immerhin ist nun klar, dass die Aufregung ziemlich überflüssig war. Zu sehen gibt es das, was der vollständige Ausstellungstitel verspricht: „Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufern in Berliner Parks“. Papp-Silhouetten stehen im Raum, beklebt mit Texten über die Ursprungsorte der Dealer in Originalsprache, dazu die Übersetzungen und Fotos aus den Herkunftsorten. Keine Spur von Glorifizierung des Drogendealens, tatsächlich ist dies nicht einmal Thema der Gespräche gewesen, denn die Frage danach stellte Holmquist erst gar nicht. „Sie fragen einen Tellerwäscher ja auch nicht, warum er das macht“, denn die Antwort sei beleidigend und verletzend.

Hier hat er eine Chance vertan, denn das hätte zu mehr Nachvollziehbarkeit von Schicksalen beitragen können, die in die Kriminalität treiben. Wichtig war dem Künstler hingegen, anhand von aufgereihten Zeitungsausschnitten zu zeigen, wie sich in Medien rassistische Zuweisungen finden, die Vorurteile festigen. Außerdem, erklärt er, sei der Umgang mit Drogendealern ein guter Indikator dafür, wie es um eine Gesellschaft stehe. „Heute kann jeder einen Drogendealer hassen oder ihm mit dem Tod drohen, und es ist erlaubt“, so Holmquist.

Zum Skandal taugt die Ausstellung also ebenso wenig wie sie Antworten gibt. Ob sie,   wie es sich Bezirksstadträtin Clara Herrmann wünscht, die Diskussion über ein Problemthema anregt, wird sich im laufenden Ausstellungsbetrieb zeigen müssen, der bis zum 14. Januar andauert.

Autor und Bild: Oliver Schlappat

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