Neues Leben im alten Stummfilmkino

Ehemaliges Stummfilmkino jetzt kleiner Kulturpalast nicht nur für Weißensee.

Hier fanden schon diverse Nutzungskonzepte ihr Zuhause: Das Haus in der Gustav-Adolf-Straße 2 beherbergte ein Gemüselager, war Rewatex-Stützpunkt und Briefmarkenladen, diente als Schauraum für einen Orgelbauer und der DDR-Zivilverwaltung als Lager. Vom Architekten Julius Krost geplant, wurde es 1929 als letztes Stummfilmkino Berlins eröffnet und blieb bis 1959 Lichtspielhaus. Jetzt haben sich Kunst und Kultur das Haus zurückerobert: Am 2. und 3. Dezember startet das ehemalige Stummfilmkino Delphi ganz offiziell als freie Spiel- und Produktionsstätte.

Private Party

Brina Stinehelfer und Nikolaus Schneider

Aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst wurde der denkmalgeschützte Art-Dèco-Bau von Brina Stinehelfer und Nikolaus Schneider. Das Künstlerpaar war hier Silvester 2011 zu einer privaten Party eingeladen und hatte sich sofort in das Haus verliebt. „Wir waren auf der Suche nach einem Ort, der bespielt werden muss“, erinnerte sich Schneider in einem Zeitungsinterview. „Und danach hat der Raum förmlich geschrien.“ Mit ihrer Künstlergruppe Per Aspera, als Verein inzwischen auch Mieter des Gebäudes, entwickelten die New Yorkerin und der gebürtige Dresdener die auf diesen besonderen Ort zugeschnittene Oper „Exposure Berlin“ und ernteten damit viel Zuspruch.

Nach langen Verhandlungen konnten die beiden mit dem damaligen Besitzer einen auf 20 Jahre ausgelegten Mietvertrag aushandeln. Im Juni 2016 erwarb schließlich die Schweizer Edith Maryoon Stiftung das Haus und sicherte es damit langfristig als Spielstätte, die ab Januar kommenden Jahres sogar eine einjährige Förderung der Senatskulturverwaltung erhält.

Offene Türen

Blick in den großen Saal des ehemaligen Kinos

Nun also die offizielle Eröffnung: Am 2. Dezember, 19.30 Uhr, wird die Wiedereröffnung des Theaters mit einer Eröffnungsgala zelebriert, an dem sich Künstler aus dem kommenden Programm beteiligen. Darunter sind der Tanzperformer Kareth Schaffer, der Choreograf Takako Suzuki, dessen Projekt „More Than One Spicies“ am 5. Dezember im Delphi Deutschlandpremiere feiert, sowie Per Aspera und die Sänger von Puccini’s Toaster mit Ausschnitten aus ihrem Programm „Winterreise“.

Am 3. Dezember sind Nachbarn und Freunde zum Tag der offenen Tür eingeladen. Ab 14 Uhr ist ein spannendes Programm aus klassischem Konzert, Stummfilm, Theater, Tanz, Hot Jazz, Swing oder Burlesque versprochen. Für Kinder gibt es unter anderem eine Bastelecke. Außerdem werden bei einer Spenden-Aktion wunderbare Dinge wie Massagen oder Event-Gutscheine versteigert.

Hintergrund dieser Aktion ist, dass das Delphi während der Bauarbeiten von einer Diebesbande heimgesucht worden war. Gestohlen wurden mehrere Projektoren, Ton- und Mischpulte, Computer, Lampen, Verstärker und Zubehör der Baufirmen. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 100.000 Euro, der nicht von einer Versicherung abgedeckt ist. Deshalb wurde auf Startnext eine Crowdfunding-Aktion gestartet, die mittlerweile knapp 28.000 Euro eingebracht hat. Es ist also noch Luft nach oben, weshalb auf viele spendenwillige Premierengäste gehofft wird.

M. Wolf, Bilder: Per Aspera

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