Ein Haus will sich selber retten

Bezirksamt prüft derzeit Vorkaufsrecht für Eckhaus im Wedding.

Rund um das Eckhaus an der Amsterdamer Straße/ Ecke Malplaquetstraße hängen derzeit zahlreiche Herzen in den Fenstern der Wohnhäuser. Das hat nichts mit den anstehenden Weihnachtsfeiertagen zu tun. Die Anwohner im Kiez Wedding 65 demonstrieren mit Bannern und Fensterdekoration ihre Solidarität mit dem mittlerweile berühmt gewordenen Eckhaus an der Amsterdamer Straße 14 und Malplaquetstraße 25. Das soll, ginge es nach dem Vermieter, für 3,5 Millionen Euro verkauft und umfassend saniert werden. Per Zufall entdeckten die Mieter vor wenigen Wochen die entsprechende Verkaufsanzeige im Internet.

Schon vorher befürchteten sie einen Verkauf ihres geliebten Eckhauses. „Seit dem Frühjahr 2016 gab es Treffen, um sich für einen solchen Fall zu rüsten. Wenige Wochen vor dem Entdecken der Anzeige kamen außerdem Gutachter in unser Haus. Zum Glück haben wir früh unseren Verein gegründet, um uns besser organisieren zu können“, erzählt Thomas Woinzeck, der seit vielen Jahren mit seiner Familie in dem Haus wohnt. Alarmiert wandten sich die Mieter der 29 Wohnungen an den Baustadttrat Ephraim Gote (SPD). Der will von dem Vorkaufsrecht Gebrauch machen, das schon in anderen Bezirken Berlins Mieter in sogenannten Milieuschutzgebieten vor Mieterhöhungen oder dem Umwandeln ihrer vier Wände in Eigentumswohnungen gerettet hat.

Vorkaufsrecht prüfen

Herz statt Profit im Kiez

Noch knapp sieben Wochen hat der Bezirk nun Zeit in den Kaufvertrag einzusteigen. Der Verein „AmMa65“, wie sich der Zusammenschluss der Mieter an der Amsterdamer Straße nennt, will das Haus dann selber kaufen. „Wir sind bereits mit mehreren Initiativen wie dem Miethäusersyndikat im Gespräch. Wichtig ist uns, die Mieten trotz nötiger Sanierung des Hauses so niedrig wie möglich zu halten“, sagt auch Thomas Woinzeck. Für ihn und die anderen Mieter ist der Erhalt der neu entstandenen Hausgemeinschaft das Wichtigste.

Mehr Zusammenhalt

Auf der Webseite des Vereins heißt es dann auch: „Wir wollen eine GmbH gründen, die durch unseren Hausverein „AmMa 65“, in dem die Bewohner Mitglied sind, kontrolliert wird. Die Mieter entscheiden über alle hausrelevanten Belange auf regelmäßigen Versammlungen selbst.“ Zuvor gab es zahlreiche Versuche, über die Hausverwaltung mit dem potenziellen Käufer in Kontakt zu treten. Doch ohne Erfolg. Nun wollen die Mieter ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Neben den 29 Wohneinheiten mit Familien, Singles, Senioren und Wohngemeinschaften befinden sich im Haus auch drei Gewerbe: Die Kiezkneipe „Café Morena“, das „Mini-Kaufhaus Meyer“ sowie die Galerie „Montagehalle“.

Bewohner hoffen

Einige von ihnen leben seit mehreren Jahrzehnten in dem Haus im Weddinger Kiez 65. Mit den öffentlichen Solidaritätsbekundungen unter dem Motto „Herz statt Profit“ ist die Unterstützung im Kiez aber noch längst nicht vorbei. Auch während der regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen auf dem Hof, Flohmärkten und dem jetzt für die Weihnachtszeit geplanten Glühweinstand vor dem Haus haben Nachbarn Gelegenheit, sich im Kiez auszutauschen. Noch ein Grund, warum niemand den liebgewonnen Kiez verlassen möchte, der längst ihr Zuhause geworden ist. Weitere Informationen zum Hausprojekt gibt es auf der Website AmMa65.

Katja Reichgardt, Bilder: AmMa65

WEITERSAGEN

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen