Eine Stiftung soll das Theater wieder öffnen

Sanierung – Nach sechzehn Jahren Stille ist ein Galeriebetrieb im Theater Karlshorst geplant.

Die Geschichte des Theaters am Johannes-Fest-Platz hat viele Kapitel. Als „Haus der Offiziere“ bis Mitte der sechziger Jahre bekannt geworden, erlangte das Theater zu DDR-Zeiten unter dem Spitznamen „Russen-Oper“ regionale Berühmtheit. Mit dem Abzug der Truppen der Roten Armee im Jahr 1994 verschwand auch der Glanz des Hauses – die Einrichtung verfiel zunehmend und im Jahr 2000 wurde der große, ehemals schmucke Bühnensaal mit seinen 600 Sitzplätzen geschlossen.

Viele Gestaltungsideen

Inzwischen ist das Haus im Besitz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Howoge und bis zum Jahr 2009 wurden Teile des Gebäudes für rund 4,5 Millionen Euro saniert. Im westlichen Flügel des Hauses zog die Schostakowitsch-Musikschule ein. Allein für den in Rot und Gold gehaltenen Theatersaal selbst fand sich kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept. Ein international ausgeschriebenes Bieterverfahren für die Nutzung scheiterte zuletzt im Jahr 2008.

„Die eingereichten Konzepte konnten weder die Bespielung noch den Unterhalt des Hauses gewährleisten“, hieß es damals in einer Mitteilung der Howoge. Vom Theater über Galerie bis zur Kletterwand reichten die Ideen und Anfragen, die der Howoge in den Folgejahren vorgelegt wurden. Allein die finanziellen Rahmenbedingungen stimmten bislang nicht. Investitionen in Millionenhöhe werden schließlich nötig sein, um den Saal mit der großen Bühne wieder zu einem genehmigungsfähigen Standard zu sanieren.

Howoge plant gemeinnützige Stiftung

Auf Nachfrage der BVV-Fraktion der Linken beim Lichtenberger Bezirksamt, meldete jetzt die Howoge eine neue Entwicklung. „Zur dauerhaften Sicherung von Immobilien für soziale und kulturelle Zwecke – darunter das Theater Karlshorst – prüfen wir jetzt die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung“, bestätigte dazu Howoge-Sprecherin Annemarie Rosenfeld auf Anfrage des Berliner Abendblattes. Zu Einzelheiten über Finanzierungshöhe, Inhalt und Ziel der Gründung werde man ab Anfang 2018 informieren, hieß es in der Howoge-Antwort an das Bezirksamt. Inoffiziell wurde inzwischen bekannt, dass sich die Howoge mit Plänen zur Schaffung einer Kunst- und Kulturhalle an diesem Ort beschäftige.

Am Runden Tisch soll beraten werden

„Ob Kino, Galerie oder Museum für Theatergeschichte: Viele der Diskussionen in der Vergangenheit hatten ihren Reiz, waren aber mit erheblichen Investitionen verbunden. Die Stiftung könnte eine Chance sein, die Entwicklung des Hauses voranzubringen und das Zentrum von Karlshorst mit der neuen Nutzung des Hauses weiter zu entwickeln. Wir sehen mit Interesse entgegen, wie sehr die Howoge die Anwohner in die weiteren Planungen miteinbeziehen möchte“, äußerte sich der Fraktionsvorsitzende der Linken, Norman Wolf zu diesem Thema.

Ein Runder Tisch sei seiner Meinung nach die geeignete Form, um die interessierten Vertreter der Kommunalpolitik, Anwohner und Vereine an der Diskussion zur Gestaltung dieses städtischen Juwels gerecht zu beteiligen.

Text: Stefan Bartylla, Bild: Imago / Raimund Müller

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